Rundbrief Nr. 33 - Herz-Jesu-Familie

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         Rundbrief Nr. 33 vom 15. November 2013 - Maria, die Königin aller Heiligen

Von Januar bis November 2013 habe ich die nachstehenden heiligen Herz-Jesu-Verehrer im Internet vorgestellt. Wenn Sie die Broschüre „Herz-Jesu-Jahr 2013“ lesen möchten, können Sie sie mit dem beiligenden Bestellschein kostenlos bestellen.

Januar: Heiliger Johannes der Apostel
Februar: Heilige Angela Merici
März: Heiliger Thomas der Apostel
April: Heilige Francesca Saverio Angelo
Mai: Heiliger Longius
Juni: Heilige Margareta von Cortona
Juli: Heiliger Paulus der Apostel
August: Heilige Philippine-Rosa Duchesne
September: Heiliger Justinus
Oktober: Heilige Mechthild von Magdeburg
November: Heiliger Fidelis von Sigmaringen
Dezember: Heilige Maria, die Königin aller Heiligen

Nachdem ich nun von Januar bis November 2013 viele  Heilige die das  Heiligste Herzen Jesu verehrt haben im Internet vorgestellt habe, möchte ich nun zum Abschluß des Herz-Jesu-Jahres 2013, das nur für meine Herz-Jesu-Familie galt, einen Beitrag über die Königin aller Heiligen, die Muttergottes, vorstellen.

Maria, die Königin aller Heiligen

Alexis-Henri-Marie Lepicier OSM (20.5.1936), einst jahrelang Dogmatigprofessor an der Päpstlichen Hochschule der Propaganda Fide, dann General seines Ordens, Apostolischer Visitator in Indien und Abessinien und schließlich Kardinal, erzählte einmal einem Priester, wie er nach glücklicher Beendigung seiner Visitation in Abessinien 1927 seinen päpstlichen Auftraggeber, Papst Pius XII., Bericht erstattet habe und dabei u.a. meldete, wie die äthiopischen Katholiken für drei weiße Gestalten eine ganz besondere Verehrung haben: Für die weiße Hostie im heiligsten Altarssakrament, für die strahlend weiße Gestalt der unbefleckt empfangenen, jungfräulichen Gottesmutter Maria und für den weißgekleideten Stellvertreter Jesu Christi auf Erden, den Papst in seiner Unfehlbarkeit, wenn er als oberster Lehrer und Hirte der Kirche „ex cathreda“ eine Entscheidung fällt in den Sachen der Glaubens- und Sittenlehre. Als Papst Pius XII. das gehört hatte, kamen ihm, dem sehr autoritär regierenden, strengen Papst, vor Ergriffenheit die Tränen in die Augen. Die Heilige Eucharistie, die unbefleckt empfangene Gottesmutter Maria und der unfehlbare Papst! Sind das nicht zusammen die Hauptstützen wahrhaft katholischer Glaubenshaltung? Sie sind doch wie drei Magnetnadeln, wie drei Leitsterne aller treu katholisch gesinnter Seelen! Sie sind die drei übernatürlichen Kraftquellen der katholischen Kirche, jener Kirche, deren unsichtbares Haupt der unter den eucharistischen Gestalten gegenwärtige Herr Jesus Christus, deren sichtbares Haupt aber der oberste Lehrer und Hirte, der Papst, und deren Herz  gleichsam die jungfräuliche Gottesmutter Maria ist.

Auf zwei in diesem leuchtenden, richtungsgebenden Dreigestirn, auf die Heilige Eucharistie und die seligste Jungfrau Maria in ihren Beziehungen zueinander, sei nun besonders hingewiesen.

Es gibt einen Ehrentitel, der der jungfräulichen Gottesmutter seit einem Jahrhundert gegeben wird und der sehr schön die Beziehungen zwischen Maria und der Heiligen Eucharistie zum Ausdruck bringt. Es ist der Titel: „Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Sakrament.“ Der heilige Julian Peter Eymard, der Gründer der Eucharistiner, gab Maria diesen Titel. Papst Pius X., der heilige Papst der Eucharistie, hat diesen marianischen Titel mehrmals feierlich bestätigt und einen Ablaß verliehen, wenn die Gottesmutter unter diesem Titel angerufen wird.

Maria und die Heilige Eucharistie: Wie gehören beide zusammen? Wie haben beide miteinander zu tun? Welche Beziehungen bestehen zwischen den beiden?

1 Es sei da zuerst  darauf hingewiesen, daß heute beide, Maria und die Heilige Eucharistie, ein ähnliches Schicksal in gewissen Kreisen nicht bloß außerhalb, sondern auch innerhalb der Kirche erleiden: Geringschätzung und Verunehrung! Man will nicht mehr recht an die unsagbare Größe und Würde beider glauben und man versagt ihnen vielfach die ihnen schuldige Ehrfurcht und Verehrung! Man glaubt nämlich nicht mehr recht an die Auserwählung Mariens, an ihre Grundprivilegien, an ihre unbefleckte Empfängnis und an ihre unverletzte Jungfräulichkeit trotz ihrer heiligen Mutterschaft! Ähnlich aber ergeht es heute vielfach auch dem Heiligsten Altarssakrament: Man glaubt nicht mehr an seine unsagbare Größe, Würde und Heiligkeit, auf Grund der es nur mit reinem, von schwerer Sünde freiem Herzen gefeiert und empfangen werden sollte; man glaubt vielfach nicht mehr recht an die Gegenwart Christi im Heiligsten Altarssakrament und geht darum so ehrfurchtslos mit dem Allerheiligsten um und wagt sogar, damit Unfug, leider auch sakrilegischen - und wortwörtlich - teuflischen Unfug zu treiben.

Gegenüber den Greueln der Verwüstung an heiliger Stätte und mit dem Allerheiligsten sollten verantwortungsbewußten Katholiken in der gegenwärtigen Zeit der Kirchenkrise und Glaubensverwirrung umso treuer festhalten am überlieferten Glauben: Am Glauben an die Reinheit und erhabene Würde der unbefleckt empfangenen, allzeit jungfräulichen Gottesmutter Maria und am Glauben an die wahre, wirkliche Gegenwart Christi im Heiligsten Sakrament des Altares und zwar auch in den kleinsten Teilchen des verwandelten Brotes.

Verantwortungsbewußte Katholiken sollten darum auch für beide, für die Gottesmutter Maria und für das Altarssakrament, allergrößte Ehrfurcht, Verehrung und Liebe aufbringen. In einer Pfarrei in Österreichs, in der während der Reformationszeit der Glaube an die Würde, Reinheit und Heiligkeit der unbefleckt empfangenen, jungfräulichen Gottesmutter Maria und der Glaube an die bleibende wahre, reale Gegenwart Christi in der Heiligen Eucharistie ganz besonders gefährdet war, begann der Seelsorger das übliche eucharistische Lobgebet „Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares...“ ein wenig abzuändern und zu ergänzen; er brachte es Pfarrangehörigen in folgender, heute noch dort üblicher Weise bei: „Hochgelobt und gebenedeit sei das Allerheiligste Sakrament des Altares und die un-befleckte Empfängnis der jungfräulichen Gottesmutter Maria von nun an bis in Ewigkeit!“ Es war auffallend, wie in jener Pfarrei eine bis heute andauernde Liebe und Verehrung zur unbefleckt empfangenen jungfräulichen Gottesmutter und eine ganz große, ehrfürchtige Hoch-schätzung des Heiligsten Altarssakramentes wieder eingekehrt ist. Beide, Maria und die Heilige Eucharistie, hängen eben ganz innig zusammen. Darum ist es begreiflich: Wo der Glaube an die marianischen Dogmen von der jungfräulichen Gottesmutterschaft Mariens und ihrer unbefleckten Empfängnis und Gnadenfülle schwindet, dort schwindet auch der Glaube an die eucharistischen Dogmen von der Wesensverwandlung des Brotes und des Weines und von der Realpräsenz Christi unter den Gestalten von Brot und Wein. Und umgekehrt, wo man an der liebevollen Verehrung der unbefleckt empfangenen, jungfräulichen Gottesmutter Maria festhält, dort hält man auch - so ist es seit jeher wahrhaft katholische Haltung - an der ehrfürchtigen Hochschätzung des anbetungswürdigen Altarssakramentes fest.

2. Aber fragen wir nun noch genauer, wie beide, Maria und das Heiligste Altarssakrament, zusammenhängen. Hier ist zunächst auf folgende wichtige Tatsache zu verweisen:

Die seligste Jungfrau Maria hat durch ihre Einwilligung und demütige Bereitschaft zur jung-fraulichen Gottesmutterschaft das Wunder vermittelt, daß der Sohn Gottes Mensch werden und in der Folge davon im Sakrament des Altares wahrhaft und wirklich mit seiner Gottheit und Menschheit, mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele gegenwärtig werden konnte, denn nicht erzwungenermaßen, sondern auf Grund völlig freier Zustimmung - „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!“ - entstanden im jungfräulichen Mutterschoß Mariens, aus ihrem Fleisch und Blut des Gottmenschen Jesus Christus, die in der Heiligen Eucharistie gegenwärtig sind. Ein mittelaltlicher Theologe wagte einmal den Satz: „Caro Christi caro est Mariae!“ das Fleisch Christi ist, - dem Ursprung nach - das Fleisch Mariens! Das stimmt noch dazu in einem viel tieferen Sinn, als etwa Fleisch und Blut eines jeden Menschen dem Ursprung nach Fleisch und Blut  seiner Mutter sind, denn beim Werden unseres  durchblutenden Leibes wirkte ja nicht nur unsere Mutter allein. Sondern auch der Vater mit, bei Jesus Christus aber war es auf Grund  seiner jungfräulichen Empfängnis ohne das Zutun  eines zeugenden Mannes nur die seligste Jungfrau Maria allein, durch die - rein biologisch gesehen - der menschliche Leib Jesu  zu werden begann: „Empfangen vom Heiligen Geist, geboren aus Maria, der Jungfrau.“ Was die Kirche mit diesen Worten seit der Apostolischen Zeit im Apostolischen Glaubensbekenntnis ausspricht, gilt nicht nur für die Menschennatur des historischen Jesus, sondern auch für Leib und Blut des verklärten, in der Heiligen Eucharistie gegenwärtigen Jesus. Der heilige Franz von Sales hat dies einmal so formuliert: „Willst du auch mit der seligsten Jungfrau verwandt sein, so kommuniziere. Denn wenn du das Heiligste Sakrament empfängst, so empfängst du Fleisch von ihrem Fleisch und Blut von ihrem Blut; denn  der kostbare Leib des Heilands, gegenwärtig im Heiligsten Sakrament, ist gebildet in Schoße der Jungfrau von ihrem reinsten Blut.“

Auf Grund der ursprünglichen Identität des Fleisches und Blutes Christi mit dem Fleisch und Blut seiner jungfräulichen Mutter Maria ist es tatsächlich nicht übertrieben, wenn man behauptet hat, daß die Gottesmutter „causa radicalis“, wurzelhafte Ursache der Heiligen Eucharistie in dem Sinn ist, daß von Maria jener Leib und jenes Blut stammen, die in der Heiligen Eucharistie wahrhaft und wirklich gegenwärtig sind, geopfert und empfangen werden.

3. Wir wissen, daß in jeder Eucharistiefeier das Kreuzesopfer des ewigen Hohenpriesters Jesus Christus gegenwärtiggesetzt wird. Maria aber hat in ihrer Mutterliebe und Muttersorge die unendlich wertvolle Opfergabe großgezogen, die im Kreuzesopfer und in der Eucharistiefeier der heiligen Messe dem himmlischen Vater dargebracht wurde und wird. Auf Golgotha unter dem Kreuzaltar ihres göttlichen Sohnes stehend hat Maria es uns allen - mitleidend und mit-opfernd mit dem ewigen Hohenpriester - vorgemacht, wenn man mit Christi Opfer das eigene vereinen soll. Maria hat als Diakonin des Opferpriesters von Golgotha großmütig auf ihre Mutterechte verzichtet und ihr Liebstes und Teuerstes hingeopfert. Ob sie dasselbe nicht auch bei jeder heiligen Messe tut, wenn dabei - wie uns der Glaube sagt - das Kreuzesopfer gegenwärtiggesetzt wird? Es ist sicher eine berechtigte Annahme, daß Maria bei jeder heiligen Messe mit ihrer auf Golgotha bewiesenen Opfergesinnung und Opferbereitschaft mit dabei ist. Das mag wohl der Grund sein, warum Maria in jedem der vier eucharistischen Hochgebete ausdrücklich und namentlich erwähnt wird, etwa im römischen Kanon im „Communicantes et memoriam venerantes imprimis glorioae semper Virginis Mariae...“ (In Gemeinschaft mit der ganzen Kirche gedenken wir ehrend vor allem Marias, der glorreichen, allzeit jungfräulichen Mutter unseres Herrn und Gottes Jesus Christus.)

4. Die Eucharistiefeier ist aber nicht bloß Opfer, sondern auch Opfermahl. Unter diesem Ge-sichtspunkt kann man wieder etwas Wichtiges über die Beziehungen Maria und der Heiligen Eucharistie sagen. Vielleicht kann man es so formulieren: Maria hat uns durch ihre mütterliche Liebe und Sorge, die sie ihrem göttlichen Sohn entgegengebracht hat, und zwar vom ersten Augenblick an, das sie Ihn in ihrem jungfräulichen Mutterschoß tragen durfte, den Tisch zu decken begonnen für das Opfermahl der heiligen Kommunion.

Hier darf an eine gute, längst verstorbene Mutter gedacht werden: Wie war das immer schön, wenn sei für ihre große, kinderreiche Familie kochte und den Tisch deckte; diese Aufgabe ließ sie sich nie abnehmen; da war sie so ganz Mutter, in Liebe sorgend, daß alle neun Kinder zu essen bekamen und möglichst zum gemeinsamen Tisch kamen. So dürfen wir uns auch Maria, die heiligste Mutter, vorzustellen, zuerst im kleinen  Kreis der heiligen Familie von Nazareth, wenn sie nach altisraelischem Brauch für den täglichen Bedarf der Familie mit einer primitiven kleinen Hausmühle zwischen zwei Steinen das nötige Quantum Weizen zu Mehl gemahlt, das Mehl dann als Teig bereitet, Sauerteig dazugemengt und dann zu Brot gebacken hat. Wie mag ihr der Jesusknabe dabei zugeschaut und dann - größer geworden  Helferdienste geleistet haben! Es klingt ja wie eine Kindheitserinnerung, wenn Jesus in einem Gleichnis sagt: „Womit soll Ich das Reich Gottes vergleichen? Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und in drei Maß Weizenmehl mengte, bis alles durchsäuert war.“ - (Lk 13, 20) Maria  ist aber nicht bloß für die kleine Familie von Nazareth, sondern auch für die große Gottesfamilie der Kirche die Mutter, die den Tisch deckt. Sie half, uns das Himmelsbrot zur Heiligen Eucharistie zu bereiten und in ihrer mütterlichen Liebe als Mutter der Kirche sehnt sie sich danach, daß für alle Brüder und Schwestern ihres erstgeborenen Sohnes das Himmelsbrot bereitsteht und sie es auch würdig empfangen. Sie, die bei der Hochzeit zu Kana die kleine Verlegenheit der Brautleute, denen der Wein ausgegangen war, sofort sah und diese Verlegenheit behelfen half durch das Wunder, das sie von ihren göttlichen Sohn erflehte, sie ist zweifellos auch jene, die mit wachen Augen und mit mütterlich sorgendem Herzen  sieht, wo hungernde Seelen sind, denen das Himmelsbrot der Heiligen Eucharistie abgeht. Und wie wünscht doch diese gute Mutter so recht von Herzen, daß alle ihre Kinder immer mehr „auf den Geschmack kommen“, der dem Himmelsbrot der Heiligen Eucharistie eigen ist! Zweifellos freut sich „Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Sakrament“ herzlich, wenn sie sieht, daß „ihre Kinder, die Brüder und Schwestern ihres göttlichen Sohnes“, nicht bloß einmal im Leben, etwa bei der Erstkommunion, und nicht bloß einmal im Jahr zur österlichen Zeit, am Tisch des Herrn, den Maria uns zu decken half, erscheinen, sondern oft, womöglich monatlich oder noch besser Sonntag für Sonntag oder gar täglich. Maria erinnert sicher dabei an jene selige Stunde zurück, da ihr bei der Verkündigung durch den Engel Gabriel eine neun Monate dauernde heilige Kommunion mit dem unter ihrem jungfräulichen Herzen Mensch gewordenen Gottessohn zuteil wurde! Wie mag sie in jenen neun Monaten immer wieder hinein-gelauscht  haben in ihr Inneres und Dialog, Zwiesprache gehalten haben mit ihrem göttlichen Kinde! Von dem großen englischen Konvertiten und Kardinal John Henry Newman stammt das Wort: „Cor ad cor loquitur“ (Das Herz spricht zum Herzen.) damals, als Maria den menschgewordenen Gottessohn unter ihrem makellosen Herzen trug, ist die wortwörtlich wahr gewesen: Cor ad cor, Herz an Herz, das Herz Jesu und das Mutterherz Mariens, die beiden edelsten, reinsten heiligsten Herzen in einem wunderbaren Gleichklang der Gesinnung, der Wünsche, Gefühle und Regungen. Was aber damals Maria in sich erlebte, wiederholt sich doch eigentlich bei jeder heiligen Kommunion. So hat doch Jesus Christus ausdrücklich in seiner eucharistischen Verheißungsrede: „Wer mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der beliebt in Mir und Ich in ihm!“ (Joh 6, 56) er in mir, ich in Ihm, cor ad cor, Herz am Herzen! Und wenn es auf das Herz ankommt, - im biologischen, aber auch im ethisch-sittlichen Sinn - dann müßte doch unser Herz gesunden, wenn es am Herzen Jesu ruht kraft der Christusbegegnungen einer häufigen, würdigen, gnadebringenden heiligen Kommunion. Wir müßten nur immer in der Gesinnung Mariens kommunizieren und uns an ihrer Mutterhand zum Tisch des Herrn führen lassen!

5. Hier wo vom Kommuniongang an der Mutterhand Mariens die Rede war, taucht in der Besprechung der Beziehungen zwischen Maria und der Heiligen Eucharistie noch eine Frage auf, dem der Autor dieses Buches einer seiner Studenten tatsächlich einmal gestellt hat: Ob nämlich Maria auch kommuniziert habe. Die Frage war damals vielleicht als Fangfrage für den Dogmatigprofessor gedacht. Wie staunte der Student aber, als der Professor aus Überzeugung behauptete, daß Maria nicht bloß bei der Menschwerdung des Sohnes Gottes die neun Monate dauernde Kommunion gekannt habe, sondern nach der Himmelfahrt ihres göttlichen Sohnes sicher oft, wahrscheinlich sogar täglich die heilige Kommunion in der Gestalt des verwandelten Brotes empfangen habe. Höchstwahrscheinlich hat Maria kein anderes Sakrament als nur das Altarssakrament empfangen; sicher hat sie das Sakrament der Taufe nicht empfangen, denn sie begann ja unbefleckt, frei von der Erbsünde, ihre irdische Existenz; auf Grund eine besonderen Gnadenprivilegs zog sich Maria  in ihrer unbefleckten Empfängnis die Erbsünde gar nicht zu, die bei uns erst durch das Sakrament der Taufe getilgt worden ist; sicher hat Maria auch das Bußsakrament nicht empfangen, denn sie blieb ja wie es klare Lehre der Kirche ist, zeitlebens frei von jeder persönlichen Sünde und hatte darum auch das Bußsakrament nicht nötig und konnte dieses wegen fehlender Sünden garnicht empfangen. Aber das Altarssakrament hat Maria sicher empfangen.

Wie kommen wir zu dieser Behauptung? Aufgrund einer Schilderung des Lebens der Urgemeinde in der Apostelgeschichte 2, 46: „Täglich verharrten sie (die ersten Christen) einmütig (im Gebet) beim Besuch des Tempels, brachen zu Hause das (eucharistische Brot) und nahmen ihr Mahl im Frohlocken und Einfalt  des Herzens, indem sie Gott priesen und bei allen beliebt waren.“ Zu diesen Christen der Urkirche  gehörte doch zweifellos bis zu ihrem seligen Heimgang vor allem auch Maria. Es ist doch wohl undenkbar, daß sie sich etwa von dieser heiligen, eucharistischen  Gebets-, Opfer- und Mahlgemeinschaft, die täglich da und dort in irgendeinem Haus eines Christen der Urgemeinde gefeiert wurde, ausgeschlossen und so sich selber exkommuniziert hätte! Nein, die selige Jungfrau Maria war sicher dabei und tat mit in vorbildlicher Weise, so wie sie zu Pfingsten inmitten der Jüngergemeinde dabei war, die im Abendmahlssal betend auf die Herabkunft des Heiligen Geistes wartete (vgl. Apg 1, 14). In der täglichen heiligen Kommunion beim eucharistischen „Brotbrechen“ wurde es für Maria immer wir der zur beglückenden Tatsache: „Cor ad cor“, ihr Herz am Herzen des Sohnes, der zwar schon zum himmlischen Vater erhöht war und dennoch wieder geheimnisvoll sakramental gegenwärtig geworden war in der Eucharistiefeier! Dieses „Cor ad cor“ gab dann Maria Trost und Kraft, auszuharren in Bedrängnissen und Schwierigkeiten und um mitzuhelfen, betend und opfernd, bei der Aufrichtung und Ausbreitung der Kirche ihres Sohnes Jesus Christus.

Von der Tochter des Königs Ludwig XI. von Frankreich, der am 28. Mai 1950 durch Papst Pius XII. heiliggesprochenen Johannes von Valois (+ 1905) wird berichtet, sie habe einmal die seligste Jungfrau Maria gebeten, ihr mitzuteilen, wie sie ihr am meisten gefallen könne. Da habe Maria zu ihr folgendes gesagt: „Meine Tochter, drei Dinge sind mir vor allem wohl-gefällig: Auf Erden war es meine erste Freude, auf die Worte Jesu zu hören. Darum folgte ich Ihm überall hin, wohin ich konnte, um keines seiner Worte zu verlieren. Meine zweite Freude war das Andenken an sein Leiden, an sein Kreuz und seine Wunden. Darum besuchte ich nach seinem Tod oft die Stätten, wo er gelitten hat. Meine dritte Freude war das Heiligste Sakrament und das Heilige Opfer. Als mein Jesus die Erde verlassen hatte, wohnte ich jeden Tag dem heiligen Opfer bei und unterließ nie die heilige Kommunion. Übe auch du, meine Tochter, diese drei Dinge und du wirst mir immer wohlgefällig sein, sowie meinem göttlichen Sohn!“ 452)

Die Überlegungen über die Beziehungen zwischen Maria und der Heiligen Eucharistie seien zusammengefaßt im Hinweis auf ein eigenartiges, vor allem im süddeutschen, bayerischen und österreichischen Raum vorhandenes und verehrtes Marienbild: Das Bild von „Maria im Ährenkleid.“ Seine Entstehung in deutschen Landen geht in das 13., 14. Jahrhundert zurück. Bis in’s 18. Jahrhundert war es weit verbreitet und viel verehrt. Maria ist hier dargestellt als Jungfrau mit gelöstem Haar und gefalteten Händen. Der Halsausschnitt und die Ärmel-Enden ihres langen blauen Kleides sind von langen, breiten Flammzacken-Bordüren eingesäumt, das ganze Kleid aber ist mit goldenen Weizenähren bestickt. Ein Fachmann der christlichen Volkskunde und kirchlichen Kunst 453) meint: „ So schlicht und in sich hineinhorchend still die hohe Jungfrau vor uns steht, das Bild (der Ährenkleid-Madonna) ist voller Rätsel.“ Vielleicht stimmt das. Aber für den, der um die Beziehungen zwischen Maria und der Heiligen Eucharistie weiß, lösen sich weithin diese Rätsel, denn die Ähren am Kleid Mariens sollen Hinweis sein auf jenes himmlische Brot, das uns die seligste Jungfrau Maria im Geheimnis der Menschwerdung des Sohnes Gottes und an durch ihr Mitleiden und Mitopfern oben auf Golgotha zu Füßen des Kreuzes bereitet hat. Sie sorgt sich heute noch für all ihre Kinder, daß ihnen dieses kostbarste Brot und der Appetit dafür nicht ausgeht. Rufen wir sie an, Unsere Liebe Frau vom Heiligsten Sakrament! Rufen wir sei an, wies sie eine Missionsschwester vor einem alten, ehrwürdigen Bild der Ährenkleid-Madonna in Maria-Sorg bei Salzburg in dem von der seligen Maria Theresia Ledochowska errichteten Missionshaus angerufen hat in dem folgenden Gedicht:
 
„Maria Sorg, die Weizenfrau
ist sie vom Volk genannt;
denn gold’ne Ähren trägt zur Schau
ihr leuchtend blau Gewand.
Maria Sorg, du Weizenfrau,
gib deinen Kindern Brot
und träufle deiner Liebe Tau
auf unsres Leibes Not!
Maria Sorg, die Weizenfrau
hast du nicht Trank und Speis’
auch für die Seel’?! Der Weg ist rauh
auf dieser Pilgerreis’!
Maria Sorg, die Frau so mild,
sie lächelt still beglückt.
Des Abendmahles lieblich Bild
hält ihres Geist entzückt.
Ja, Fleisch von ihrem Fleisch fürwahr
und Blut von ihrem Blut
hat uns ihr Sohn gegeben dar
in seiner Liebe Glut.
Drum will ich gehen zur Weizenfrau,
sie sorgt in jeder Not,
und Leib und Seel’ ich ihr vertrau
im Leben und im Tod“

Anmerkungen
 
452) vgl. J. Furger. Eucharistische Heiligenlegende S. 67.
453) Leopold Kretzenbacher, Maria im Ährenkleid, in: Heimat im Volksbarock (Klagenfurt 1961) S. 93-96.

 

 
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