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Herz-Jesu-Verehrung
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Das offene Tor in’s Reich der Liebe (Herz Jesu) - H. H. Geistlicher Rat Pfarrer Wagner: Verlag Sankt Grignionhaus-Altötting 1993

Es gibt ein Tor, ein offenes Tor, das uns sicher einläßt in das Reich der unendlichen Liebe. Darum schau und höre! Laß deinen Blick und dein Hoffen nicht getrübt sein durch die Unsicherheit, die der Teufel durch seine Lügen überall bereitet.
darf dich aber nicht erschrecken, wenn ich dir sagen muß: Das offene Tor zum Himmel, das ist das Herz Jesu am Kreuze. Alle anderen Tore, die sich dir so einladend öfnen, sind gefährlich  und führen meist in tiefe Finsternis.

Jesu Herz am Kreuzesholz,Tor für jedermann,dir recht vertrauen kannsich löst von seinem Stolz.
dem Schächer neben dir,mit dir am Kreuz gebüßtdich hoffend hat gegrüßt,dein Herz die Himmelstür.
mehr verlorengeht,zu deinem Herzen schautin allem dir vertraut,der Himmel offen steht.
dein Herz, oh Herr und Gott,ß uns lieben in der Zeit,ß durch dich wir froh breit
überwinden jede Not.

Im offenen Herzen Jesu am Kreuze ist uns allen sichtbar geworden, wie sehr der Vater im Himmel uns liebt, indem er seinen Sohn für uns hingeopfert hat bis zum letzten Blutstropfen. Und damit es niemand übersehen kann, wie sehr der Vater uns liebt, steht das Herz seines Sohnes am Kreuze immer noch offen.

Du kennst das Wort des Apostels: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn für sie dahin gab (bis an’s Kreuz), damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat.‘ (Joh 3, 16)

Damit ist die unbegreifliche Liebe Gottes, des Vaters, für alle begreiflich geworden, die noch ein Herz für die Liebe haben. Denn nicht mit dem Verstand, sondern nur mit einem liebenden Herzen können wir diese unglaubliche Liebe Gottes erfassen und darin für ewig die unendliche Glückseligkeit finden, die überhaupt für ein Geschöpf durch Gottes Gnade möglich gemacht werden kann.

Hören wir dazu das Wort des Völkerapostels:

„Ihr sollt gesinnt sein, wie Jesus Christus gesinnt war. Er, der in Gottesgestalt war, hat dennoch nicht sein Gottsein festgehalten. Nein, er entäußerte sich selbst, er nahm Knechtsgestalt an, er wurde uns Menschen gleich und ward im Außeren als Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und war gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2, 5)

Dazu schreibt aber der Apostel im gleichen Brief eine ernste Mahnung, die wir nicht überhören dürfen, wenn wir die Gnaden des Herzens Jesu gewinnen wollen:

„Viele wandeln, wie ich euch oft gesagt habe, und jetzt unter Tränen sage, als Feinde des Kreuzes Christi. Ihr Ende ist Verderben. Ihr Gott ist der Bauch. Ihr Ruhm besteht in ihrer Schande. Ihr Sinn ist auf das Irdische gerichtet.

Unsere Heimat aber ist im Himmel, woher wir den Heiland erwarten, unseren Herrn Jesus Christus. Er wird unseren armseligen Leib umgestalten und wird ihn ähnlich machen seinem verklärten Leibe durch die Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.“ (Phil 3, 18)

Wir müssen Jesus in seiner Herzensliebe ernst nehmen, dürfen sein offenes Herz nicht übersehen, sonst ist alles vergebens. Hören wir einige Anrufungen aus der Herz-Jesu-Litanei:

Herz Jesu, Haus Gottes und Pforte des Himmels.
Herz Jesu, brennender Herd der Liebe.
Herz Jesu, König und Mittelpunkt aller Herzen.
Herz Jesu, aus dessen Fülle wir alle empfangen haben.
Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen.
Herz Jesu, Quelle des Lebens und der Heiligkeit.
Herz Jesu, Sühnopfer für unsere Sünden.
Herz Jesu, mit der Lanze durchbohrt.
Herz Jesu, Quelle des Trostes.
Herz Jesu, unser Leben und unsere Auferstehung.
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung.
Herz Jesu, Rettung aller, die auf dich hoffen.
Herz Jesu, Hoffnung aller, die in dir sterben.

Bedenken wir auch einige der Verheißungen, die Jesus gegeben hatte an alle, die sein Herz verehren:

Jeder wird die Gnaden erhalten, die er für seine Berufung braucht.
Den Familien wird er seinen Frieden schenken. Alle Trübseligen wird er trösten.
Er wird unsere sichere Zuflucht sein besonders in der Todesstunde.
Er wird unsere Arbeiten überreich segnen.
Er wird gleichgültige Menschen liebeglühend machen. Er wird liebende Seelen zur Vollkommenheit führen.
Er wird die Häuser segnen, in denen sein Bild verehrt wird.
Er wird Priestern die Kraft geben, harte Herzen zu bewegen.
Er wird alle in sein Herz schreiben, die seine Andacht fördern.

Ein Gebet des heiligen. Papstes Plus X.:

„Heiligstes Herz Jesu, gieße in reicher Fülle deinen Segen aus über die heilige Kirche! Gib den Gerechten die Gnade der Beharrlichkeit, den Sündern die Gnade der Bekehrung, den Ungläubigen das Licht des Glaubens! Segne unsere Verwandten, Freunde und Wohltäter! Stehe den Sterbenden bei und befreie die Seelen aus dem Fegefeuer! Breite über alle Herzen die gü-tige Herrschaft deiner Liebe aus!“

Wenn wir Jesus wirklich ein wenig verstehen wollen, dann dürfen wir sein Herz nicht übersehen. Sein Herz, sein gottmenschliches Herz ist es, in dem sich die ganze Fülle der Liebe seiner Gottheit und Menschheit zusammengeballt hat zu einer Glut, die mit der brennendster Feuersglut nicht verglichen werden kann. In diesem Herzen ist die Liebe Gottes sichtbar geworden. Die Liebe Gottes aber ist unendlich, unfaßbar, unbegreiflich, denn die Liebe ist Gott selbst. Kein Mensch kann diese Liebe, die da Gott ist, erfassen. Und doch ist Gott Mensch geworden. Darum ist in diesem Herzen des Gottmenschen Jesus die göttliche Liebe sichtbar geworden. Aber wiederum für uns Menschen nur sichtbar in dem durchbohrten Herzen am Kreuze.

Wie hat doch Jesus unser Menschenleben ganz angenommen, hat als Mensch, als Zimmermann, unter uns gelebt und gearbeitet. Er hat durch ein strenges Fasten in der Wüste sich vorbereitet, die Botschaft der Liebe des Vaters den Menschen zu verkünden. Er hat sogar verkündet, daß er sich uns zur Speise geben wird. Das wollte man nicht verstehen. Und will es heute wieder nicht mehr verstehen, sondern profanieren in bloße Erinnerung.

Was Jesus damals in seiner Liebe gewagt hat in Jerusalem vor dem Hohen Rat, das tut er heute noch in gleicher Liebe. Er läßt sich verurteilen und gibt sich uns preis im Geheimnis seines eucharistischen Opfers.

Aber wer ihn da gering achtet oder gar verurteilt, der verurteilt sich selbst. Wie der Hohe Rat in Jerusalem und mit ihm der heilige Tempel und die ganze heilige Stadt vernichtet worden ist, so gehen immer wieder alle zugrunde, die Jesus verachten und verurteilen.

Das geschieht nicht aus Rache, sondern weil vor Gott nichts bestehen kann, was nicht in seine Liebe heimfindet. Was nicht in seine Liebe heimfinden will, das fällt dem Lügner und Mörder von Anbeginn zum Opfer, der nur Lüge und Mordlust ist.

Herz Jesu heißt allumfassende Liebe der Erscheinung Jesu: Seine Geburt im Stall zu Bethlehem, sein Leben als einfacher Arbeiter in Nazareth, seine Offenbarung der Frohbotschaft über die Erlösung und das Leben, seine Hingabe bis zum letzten Blutstropfen am Kreuz. Aber auch seine Auferstehung und Herrlichkeit.

Dann aber auch sein geheimnisvolles Verweilen und Weiterwirken als Erlöser mitten unter uns. So verborgen das geschieht, so entscheidend ist es für unsere Rettung. Denn trotz seiner brennenden Liebe drängt Jesus sich uns nicht auf. Das kann er nicht, weil Liebe sich nur frei schenken will und frei aufgenommen werden will.

Wer in Liebe zum Herzen Jesu heimfindet, dem wird Jesus alles. Dem wird Jesus der sichere Weg durch die Erdenzeit, die Auferstehung nach dem Tode und die unendliche Herrlichkeit im Reiche seines himmlischen Vaters. Wenn wir auch jetzt noch sterbliche Wesen sind wie die Kinder dieser Welt, wir tragen in der Liebeskraft des Herzen Jesu die Unsterblichkeit schon in uns.

Was da durch die Liebe des Herzen Jesu in uns geschieht, das können wir nicht mit dem Verstand erfassen. Darum müssen wir es glauben, wie Jesus es so streng von uns verlangt. ‚Wer glaubt, der wird gerettet werden. Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden.“

Es geht nicht an, daß wir Jesus, der die ewige göttliche Wahrheit selber ist, für einen Lügner halten.

Die Entscheidung für innige Verbindung zum Herzen Jesu ist unser eigenes Herz. Unser Herz muß frei sein vor allem von der Sünde, muß aber auch frei sein vom Gerümpel zu großer Erdensorgen, und muß rein sein wie das Herz eines unschuldigen Kindes. Darum hat uns Jesus auf das Kind als Vorbild hingewiesen.

Wenn wir uns trotz guten Willens in manche Niedrigkeit verlieren, so hat uns Jesus in seiner Herzenssorge das Sakrament der Buße geschenkt, worin wir uns reinigen können. Aber auch echte Reue aus Liebe zu Jesus würde reinigen, bevor wir das Sakrament der Reinigung empfangen.

Unreine Herzen können im Lichte des Glaubens nicht sehen und können das Herz Jesu nie verstehen. Jesus sagt einmal:

„Die Leuchte deines Leibes ist dein Auge. Ist dein Auge gesund, so ist dein ganzer Leib erleuchtet. Ist aber dein Auge krank, dann ist dein Leib in Finsternis. Wenn aber das Licht (Licht des Glaubens) in dir Finsternis ist, wie groß wird dann deine Finsternis sein.“ (Mt 6, 21)

Viele wollen das nicht verstehen. Vielleicht kann das andere Wort Jesu ihnen helfen: „Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, die Rost und Motte verzehren, wo Diebe einbrechen und sie stehlen. Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Rost noch Motten verzehren, wo Diebe sie nicht stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6,19)

Nun muß sich jeder selber ehrlich die Antwort geben, wo sein Schatz ist. Ist sein Schatz nur vergänglicher Wert, wird sein Herz ans Vergängliche gefesselt. Ist sein Schatz Fleischeslust, dann ist sein Herz im Sumpf versunken. Wie sollte der noch zur Freiheit der Liebe des Herzens Jesu emporfinden, wenn nicht ein Wunder völliger Umwandlung ihn befreit.

Jesus sagt in der Bergpredigt das klärende Wort: ‚Selig, die ein reines Herz haben, sie werden Gott schauen.“

Ich habe dieses Wort in meinem langen Priesterleben oft bestätigt gefunden. Ich denke da an ein Flüchtlingsmädchen nach dem Krieg:

Vater und Mutter und alle Geschwister hatte es verloren auf der Flucht. Das Mädchen, damals knapp 14, Magda hieß es. Man möchte es nicht glauben, aber es geschah so. Ein russischer Offizier nahm die kleine Magda in der Slovakei unter seinen Schutz. Er sagte später, er habe daheim eine Tochter, die der Magda ähnlich sehe. Der Offizier brachte Magda nach Wien. Dort übergab er sie einer katholischen Familie. Er hat ihnen gesagt, er sei aus der Ukraine und sei auch katholisch. Der Offizier mußte Wien bald wieder verlassen. Die Familie hat nie mehr etwas von ihm gehört.

Magda stammte aus Schlesien. Ihre Familie floh vor den anrückenden Russen nach Süden. Aber ihre Angehörigen sind auf der Flucht durch Kälte, Hunger und Grausamkeit umgekommen. Die Magda haben die Russen auf einen Gefechtswagen geworfen. Dort aber hat der Offizier sie unter seinen Schutz genommen und nach Wien gebracht.

Da Magda ein frommes Mädchen war und das Opfer ihrer Angehörigen nicht vergessen konnte, hat sie in einem Kloster Zuflucht gesucht. Sie hat dort die nötige Schule gemacht. Die Schwestern hatten sie alle gern. Magda wollte auch Schwester werden. Aber vorläufig wollte sie noch ein wenig die freie Jugend erleben.

Die Schwestern betreuten ein Heim für gefallene Mädchen. Dafür war Magda sehr interessiert. Die Schwestern wollten das nicht, aber Magda setzte sich durch. Bald erfuhr Magda von den Mädchen verschiedene traurige Erlebnisse.

Einmal ergab es sich, nachdem eine Schwester in einem Vortrag den Mädchen ermahnende Belehrungen gegeben hatte, daß auch Magda, sie war damals schon 17, vor die Mädchen hintrat und zu reden begann. Magda war ein hübsches Mädchen und hatte eine gewinnende Art. Mit Iächelndem Antlitz meinte sie:

„Wenn ich euch etwas sagen darf, ich bin auch ein Mädchen wie ihr und habe das Leben lieb. Ich habe Furchtbares durchgemacht als meine Eltern und Geschwister auf der Flucht umkamen. Die Russen haben mich als willkommene Beute auf ihren Kampfwagen geworfen. Da habe ich die Mutter Gottes angerufen und habe ihr gesagt: Laß mich sterben, aber laß mich rein bleiben! Und da geschah das Wunder, der Offizier hat mich beschützt. So bin ich unberührt von allem Bösen hierher gekommen. Und ich bin sehr glücklich, daß ich rein sein darf. Ich erlebe dabei in meinem Herzen eine solche Freude, die ich mit keiner anderen Freude tauschen möchte.“

Magda legt ihre Hand auf die Brust:
„Wißt ihr Schwestern, da drinnen ist es, diese Freude und dieser Jubel, der wie eine Sonne alles hell erleuchtet. Da gibt es keine Traurigkeit, die mich niederdrücken könnte, obwohl ich sehr Trauriges erleben mußte. Aber ich weiß mich wunderbar geborgen in Gott. Bin frei in Gott. Ich atme in Gott, ich lebe in Gott. Ich spüre wie Gott mich ständig umarmt und als sein Kind mich an sich zieht. Das ist das Glück und die Freude, die ich mit keiner Freude dieser Welt vergleichen kann.“

Magda breitete die Arme aus und schaute alle Mädchen froh lächelnd an. Einige weinten, andere rumorten und schimpften. Ein Mädchen rief: „Das ist doch alles Unsinn! Das bildet die sich nur ein. Für uns gibt es das nicht mehr.‘

Magda, die schon gehen wollte, drehte sich noch einmal um und rief: „Schwestern, auch bei euch kann alles gut werden. Jesus wartet auf euch im Beichtstuhl. Ihr müßt nur den Mut dazu haben!“

Daraufhin haben viele gebeichtet und sich gemüht, ein anderes Leben zu beginnen. Es gab auch viele Widerstände, die ihr bös zusetzten.

Aber viele suchten aufwärts und verlangten immer wieder, daß Magda zu ihnen komme. Ihre Herzensreinheit hatte solche Ausstrahlung. Magda ist eine gute Ordensschwester geworden. Ich habe noch über sie gehört, daß sie in die Heidenmission gegangen ist, um auch den Heiden den Weg der Liebe Christi zu zeigen.

Eines sollen wir wissen, ein reines Herz findet sich immer zurecht und wird keine Glaubensschwierigkeiten haben, denn es steht im Lichte Gottes. Ein unreines Herz kann Gott kaum mehr finden und ist voller Glaubenszweifel. Es ist darum zwecklos, mit solchen Menschen lange über Glaubensfragen zu diskutieren. Sie sollen beichten und sorgen, daß sie rein leben. Dann lösen sich alle Fragen von selber, weil das Licht des Heiligen Geistes in ihnen leuchtet.

Wenn unreine Herzen sich nicht in wahrer Reue und Buße bekehren, wird ihr ganzes Leben verdunkelt. Sie suchen überall Ausreden und gleichen sich süchtig dem Modernismus an, in dem sie ihr versumpftes Leben rechtfertigen können. So leicht läßt der Teufel seine Beute nicht mehr los.

Das Herz Jesu ist trotz allem das offene Tor in das Reich der göttlichen Liebe. Aber wenn wir ausschauen, das Herz Jesu pulst immer noch offen am Kreuzesholz und wartet in schmerzlicher Sehnsucht. Es kann und will niemanden zwingen zur Liebe. Denn die Liebe ist frei, ist ganz frei.

Das Herz Jesu kann schon gar nicht jemanden zwingen, daß er in Bußgesinnung hinaufsteigt zum Kreuzesholz, um ihm nahe zu kommen. Dennoch wäre das der Weg zur Rettung und Erneuerung aus den verlogenen Krallen Satans. Denn das Kreuz fürchtet der Teufel.

Bringst du ein Opfer oder erträgst du in Geduld ein Kreuz, das Jesus dir in Liebe aufladet, dann wird alles gut. Dann wird alles in dir rein und du wirst eine wunderbare Siegesfreude erleben trotz des Kreuzes. Du wirst das Herz Jesu sehen, wie es für dich geöffnet ist und wirst in deinem eigenen Herzen seine Stimme hören, wie sehr Jesus dich liebt und wie er so lange auf dich gewartet hat.

Da war um 1550 ein großer Apostel, der die verführten Deutschen aus den Irrlehren Luthers retten sollte. Er hieß Petrus Canisius. Er hatte in Rom studiert. Er war Jesuit. Er war ein sehr gelehrter Theologe. Er bekam von seinen Ordensobern und vom Papst Paul III. den Auftrag, vor allem in Deutschland wieder den wahren Glauben zu verkünden.

Petrus Canisius war darüber so erschrocken, daß er meinte, er könne höchstens als Märtyrer dort sterben. Schon nach den ersten Predigten werden sie ihn von der Kanzel reißen und zu Tode schinden. Der Fanatismus der neuen Lehre Luthers war so voll Haß gegen alles Katholische, daß keine Hoffnung auf Erfolg war.

In seiner Not sank Petrus Canisius vor einem Kreuz nieder und bat Jesus, er möge ihm helfen. Da zeigte Jesus dem Petrus Canisius sein offenes Herz, das aus frischer Wunde blutete. Jesus sagte ihm:

„Schau, wie die Deutschen mein Herz verwundet haben! Die Deutschen, die vor Jahrhunderten als erste mein Herz so verehrt hatten, jetzt möchten sie es vernichten.“

Petrus Canisius konnte es kaum fassen, daß sich ihm Jesus offenbarte. Er hörte die Stimme Jesu weiter:

„Canisius, geh’ nach Deutschland! Ich geh mit dir! Darum hab keine Angst! Zeige den Deutschen wieder mein Herz! Sage ihnen, wie sehr ich sie von Herzen liebe! Aber sage ihnen das alles in Liebe! Nur in Liebe! Nicht mit Geschrei und Drohungen! Auch nicht mit Höllendrohungen! Sie wissen nicht mehr, was die Hölle ist und auch nicht, was der Himmel ist. Sie sollen mein Herz wieder kennenlernen, das nur lieben kann.

Dann werden sie dem Teufel nicht mehr glauben, sondern mir folgen und die Hölle meiden.“

Petrus Canisius war immer noch ganz ergriffen von dieser Offenbarung des göttlichen Herzens. Da hörte er weiter die Stimme:

„Canisius, mein Apostel, hab keine Angst! Ich gehe mit dir! Laß’ mich aus dir reden! Nicht du sollst reden! Nicht aus deiner Gelehrsamkeit sollst zu reden! Laß mich reden nur aus meinem Herzen! Du aber achte, daß du ganz in meinem Herzen daheim bleibst! Dann wirst du Erfolg haben. Du wirst alle, die noch guten Willens sind, wieder zur Liebe meines Herzens heimführen können.“

Die Stimme Jesu war verstummt. Das lebensgroße Kreuz, vor dem Petrus Canisius niedergesunken war, war wieder leblos wie sonst.

Petrus Canisius zog nach Deutschland und fing auf zahllosen Kanzeln an zu predigen. Er predigte nicht mit Geschrei und Drohungen. Er predigte mit Güte und Liebe und großer Geduld. Die Leute unter der Kanzel horchten auf. Solche Demut, Geduld und Liebe war ihnen eine neue Offenbarung. Sie hörten eine Stimme, die aus sehnendem Herzen zu ihnen flehte. Das tat wohl und rührte ihre eigenen Herzen zur Reue und Bekehrung. Es war kein Aufruhr in den Worten des Predigers, sondern nur Liebe. Die Liebe des Herzens Jesu sprach zu ihnen.

Das christliche Volk wachte auf zur Erneuerung. Das Volk war es ja nicht, das revoltierte. Das waren die modernen Mönche unter der Hetze Luthers. Das Volk, das unter den Kanzeln Petrus Canisius sich immer mehr sammelte, wurde wieder katholisch, ohne daß sie es merkten. Nur waren die Ehen manchmal geschieden und mit anderen Partnern verbunden. Das war schwierig. Aber es war schon richtig, die Ehe muß unauflöslich sein. Es ist ja ein Bund in Gott.

Petrus Canisius hatte unaufhörlich auf fast allen Kanzeln in Süddeutschland und in Österreich mit großem Erfolg gepredigt. Überall strömten die Leute in Scharen unter seine Kanzel.

Nach den Predigten kam Petrus Canisius in die Pfarrhöfe zu einer liebevollen klärenden Aussprache. Fast überall hatten die Pfarrer sich ein Weib genommen nach der neuen Lehre Luthers. Aber sie waren nicht protestantisch geworden, weil sie sonst die Pfründen verloren hätten.

Mit solchen Priestern saß Petrus Canisius nächtelang beisammen und suchte in Güte zu erklären, daß ihre Ehen ungültig sind, weil der Priester doch mit dem Herzen des Hohenpriesters Jesus eins ist. Petrus Canisius sagte ihnen immer wieder: „Das Priesterherz Jesu ist unsere priesterliche Lebensquelle. Ohne dieses Herz stirbt unser Priestertum und hat keine Gnadenwirkung mehr auf die armen Christen, die nichts notwendiger brauchen als die Erlösung Jesu.“

Viele der verirrten Priester haben ihr Priestertum wieder erneuert. Die Bekehrung der Priester ging zwar nicht ohne Buße und Opfer, aber es hat sich gelohnt. Unter der Führung der bekehrten Pfarrer sind wieder wahre katholische Gemeinden entstanden, die mit kindlicher Liebe ihren Hirten ehrten, der nun wieder allen gehörte.

Petrus Canisius hat fast Tag und Nacht in unermüdlicher Geduld und Liebe gelehrt. Er dachte immer daran, was ihm Jesus aufgetragen hatte: „Nicht du sollsl reden! Laß mich reden aus meinem Herzen!“

Im Jahre 1567 war ein weiterer Apostel des göttlichen Herzens Jesu geboren. Er war der Sohn eines schweizer Grafen, Franz von Sales. Er hatte Rechtswissenschaft studiert und sollte die Rechte des Landes verteidigen.

Aber er wollte höhere Rechte verteidigen: Die Rechte der unbegreiflichen Liebe des Herzens Jesu. 1593 wurde Franz zum Priester geweiht. Wenige Jahre späte, wurde er zum Bischof berufen. In seiner Diözese und ringsum herrschte die grausame lrrlehre des Calvinismus.

Luther hatte die Lehre verbreitet, der Glaube allein macht selig. Wir können sündigen wie wir wollen und wir es doch nicht besser vermögen. Die Hauptsache ist, daß wir glauben, dann sind wir erlöst.

Johannes Calvin verkündete: Die Gnade Gottes allein erlöst den Menschen. Der Mensch kann gar nichts dazu tun. Jeder Mensch ist von vorneherein zur Seligkeil oder zur Verdammnis bestimmt. Diese Irrlehre wurde mit grausamem Haß gegen die katholische Lehre verbreitet.

Die Katholiken sagen: Der Glaube allein genügt nichl und auch die Gnade allein genügt nicht, wir müssen nach dem Glauben leben und müssen die Gnade Gottes annehmen.

Beides, nach dem Glauben leben und die Gnade Gottes annehmen, verlangt Bereitschaft und Opfer. Jesus hat uns doch gelehrt: „Nicht wer da sagt: Herr, Herr, wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt, der wird in das Himmelreich eingehen.“ (Mt 7, 21)

Immer und überall betont Jesus, wir müssen den Willen Gottes und die Gebote Gottes erfüllen! Dann können wir gerettet werden. Denn Gott will alle erlösen, die guten Willens sind.

In den lrrlehren Luthers und Calvins scheint es bequemer, selber nichts zu tun und keine Opfer zu bringen für die Erlösung, weil ohnehin für jeden Menschen alles von Gott entschieden ist. Calvin lehrte das besonders hart, ganz gegen die Liebe des Herzens Jesu. Franz von Sales hat mit unermüdlicher Geduld und Demut den verirrten Christen wieder die Liebe des Herzens Jesu gezeigt, wie Jesus auf jeden Menschen immer noch am Kreuze wartet, daß er sich bekehre und seine Erlöserliebe annehme.

Jesus kann und will in seiner Liebe niemanden in das Himmelreich zwingen. Denn die Liebe ist frei und kann nur frei beantwortet werden. Darum wartet Jesus am Kreuz mit offenem Herzen auf jeden von uns. Wer nicht freiwillig zu ihm kommt, den kann er nicht retten, weil niemand gezwungen werden darf in den Himmel. Gott will keine Knechte. Wir müssen freiwillig zur Herzensliebe Jesu heimfinden. Jeder muß in freier Liebesentscheidung Jesus glauben und ihm folgen.

Nicht Gott ist es, sondern die Hartherzigkeit des Menschen ist es, die verdammt. Wo nicht mehr die Liebe Gottes frei walten kann, ist auch nicht Gottes Leben und Erlösung, weil Gott die Liebe ist. Es ist niemand vorherbestimmt für den Himmel oder für die Hölle. Jeder muß sich selbst dafür oder dagegen entscheiden. Wie sich Jesus freiwillig für jeden am Kreuze als Opfer ganz hingegeben hat, so muß auch jeder ganz freiwillig zu ihm kommen.

Franz von Sales hat Tausende und Abertausende bekehrt, aber nur im ständigen Hinweis auf das Herz Jesu, das immer noch für alle offen steht und mit Dornen umwunden ist in der sorgenden und sehnenden Liebe, daß wir zu ihm kommen, freiwillig kommen, weil seine Liebe niemanden zwingen will.

Franz von Sales wird darum dargestellt als Missionar, der in der Hand das verwundete und dornengekrönte Herz Jesu trägt.

Margarete Maria Alacoque wurde ebenfalls berufen, in der Kirche die Herz-Jesu-Verehrung neu zu erwecken. 1617 durfte sie in den Orden der Salesianer eintreten. Dort begannen für sie die Schauungen und die Anrufungen des göttlichen Herzens. Jesus sagte zu ihr:

„Ich habe dich zu dieser Botschaft erwählt, weil du von Grund auf unwissend und unwürdig bist. Nur du kannst in deiner Kleinheit und Nichtigkeit die Botschaft meines Herzens bekannt geben. Denn nicht menschliches Wissen könnte das tun.“

Margarete Maria Alacoque liebte Jesus mit aller Hingabe. Sie war bereit zu jedem Opfer. Sie suchte nur Jesus und nicht mehr sich. So konnte Jesus ihr sagen, die nicht an sich selber dachte und keine eigene Überlegung störte:

„Mein göttliches Herz ist mit solch leidenschaftlicher Liebe für die Menschen entzündet, auch für die Sünder, daß ich meine Barmherzigkeit nicht mehr zurückhalten kann. Um das sagen zu können, brauche ich dich so armselig und niedrig wie du bist. Bei dir brauche ich mich in meiner Hilflosigkeit nicht schämen. Dir kann ich die Not meiner Herzensliebe offenbaren.‘

Jesus hat der Margaret Maria Alacoque oft sein durchbohrtes Herz gezeigt, das mit Dornen gekrönt war. Jesus hat ihr gesagt:

„Mein Herz wird allen eine sichere Zuflucht sein, allen, die mir vertrauen in meiner Herzensliebe.“

Die Verheißungen, die Jesus durch die Margaret allen gegeben hat, die seinem Herzen vertrauen, sind zahlreich. Wir haben bereits einige Seiten vorher welche aufgezählt. Auf alle Fälle wird Jesus allen eine rettende Zuflucht sein im Leben und im Tode, die seinem Herzen vertrauen und ihn mit den Worten „Heiligstes Herz Jesu“ anrufen.

Vor vielen Jahren hatte ich einen jungen Mann kennengelernt, der sehr talentiert und auch fromm gewesen wäre, aber mit dem 6. Gebot Schwierigkeiten hatte. Ich habe ihm geraten, er solle jeden Tag die Litanei zum Heiligsten Herzen Jesu beten. Er hat diesen Rat befolgt. In wenigen Monaten war er völlig befreit von dieser bösen Sucht. Er hat als eifriger und frommer Mann Medizin studiert und ist dann als Arzt in die Mission gegangen.

Ein junges Mädchen hat mich vor Jahren einmal um Rat gefragt, was sie tun soll, da sie mit ihrem Freund in Bettgemeinschaft lebe. Aber sie wurde unruhig in der Sorge, daß sie damit kein glückliches Leben aufbauen kann. Da riet ich ihr, sie soll ihren Freund zu mir schicken.

Der kam und war etwas ungehalten über meine unmoderne Einstellung. Ich konnte ihm erklären, daß es doch um sein wahres Glück gehe, das sie nur finden können durch die Gnade Gottes. Er sah das ein und versprach mir, das Herz Jesu um Hilfe anzuflehen. Er versprach mir weiter, am Sonntag zu beichten und mit seiner Freundin nicht mehr allein zu bleiben, außer sie beten miteinander.

Besonders hat ihm das Wort des Apostels Paulus im 1. Korintherbrief ergriffen: „Wißt ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Wißt ihr nicht, daß ihr euch nicht selbst gehört? Um einen teuren Preis seid ihr erkauft.“ (1. Kor 6, 19)

Ich erklärte dazu: „Um den Preis des Blutes aus dem Herzen Jesu seid ihr und eure Leiber erkauft. Jesus weiß wohl, warum er solchen Preis dafür bezahlt hat. Er weiß, daß nur reine Herzen zu Gott finden können und allein in Gott das wahre Lebensglück erreichen.“

Traurig war es, daß dieser junge Mann mir erklären mußte, ein Priester habe ihm gesagt, sie dürfen ruhig zusammen schlafen, wenn sie sich lieben. Gott hat ja die Liebe geboten und nicht verboten.

Es kamen dann öfters die beiden Verliebten zu mir. Es war eine Freude, zu erfahren, wie sie sich durch Buße zu einem reinen Leben emporringen konnten und darin eine große Freude fanden. Wenn es auch Opfer kostete, aber der junge Mann sagte: „Erst durch unser Opfer wird unser Leben wertvoll und wir können eine frohe und freie Zukunft erwarten.“

Das konnten sie auch. Sie studierten beide und haben erst nach Abschluß des Studiums geheiratet. Ich durfte sie trauen. Nach der kirchlichen Trauung führten sie mich noch in eine Kirche in Wien, in der in einer Seitenkapelle eine besonders schöne Herz-Jesu-Statue stand. Sie knieten nieder und ich mit ihnen. Eine kleine Viertelstunde verweilten wir im Gebet.

Während wir dann zu einer geplanten Feierstunde mit den Verwandten ins Gasthaus gingen, sagte mir der Mann unterwegs, der nun seinen Doktor hatte:

„Sie sollen es wissen, Vater, wenn es uns besonders schwer war, sind wir hierhingepilgert zum Herzen Jesu. Und jedesmal sind wir stärker und froher geworden. Wenn die jungen Leute das erleben könnten, was wir in diesem Jahr für Freude erleben durften, sie würden alle diesen Siegesweg einschlagen. Aber sie lassen sich nichts sagen, wie ein Trinker sich nicht sagen läßt, daß der Alkohol ihn zugrunde richtet.

Ich habe damals dem jungen Paar ein Verslein geschrieben, das ich ihnen ganz still übergeben habe:

Herz Jesu, mach uns schön und rein, nimm ganz uns in dein Herz hinein!

Zum Abschluß will ich noch von einer stillen Opferseele berichten, die ich einige Jahre be-treuen durfte. Sie wurde in der Jugend durch einen Unfall beim Schlittschuhlaufen, wozu die Mutter sie gedrängt hatte in der Hoffnung, ihr Töchterlein werde einmal weltberühmt, so schwer verletzt, daß sie erst nach Monaten wieder zuhause verweilen, aber nur im Rollstuhl mühselig sich bewegen konnte.

Ihre Mutter ist bald darauf vor lauter Kummer über ihre Tochter verstorben. Vater und Geschwister hatte sie nicht mehr. Nur eine hartherzige Tante kümmerte sich ein wenig um sie. Finanziell war für das Mädchen gesorgt, Berta hieß es. Aber sie saß stundenlang allein daheim und wußte nicht, wofür sie noch leben sollte. Oft waren ihr Selbstmordgedanken gekom-men. Für was oder für wen so sinnlos noch leben.

Die Oma väterlicherseits, war eine fromme Mama. Sie hatte ihr früher, als sie noch hoffnungsvoll ins Eisstadion ging, öfter von Jesus erzählt, der ein liebeglühendes Herz hat für alle, besonders für Menschen, die niemanden mehr haben und ganz allein und verlassen sind. An diesen Jesus mit dem liebeglühenden Herzen mußte Berta öfters denken, wenn sie stundenlang allein und verlassen daheim im Garten saß, wohin sie sich mit dem Rollwägelchen noch bewegen konnte.

Herz Jesu, was ist das für ein Herz! - Ach ja, drinnen im Wohnzimmer, da hängt ein Herz-Jesu-Bild. Schon ganz verblaßt, aber immerhin, Berta konnte sich davon eine Vorstellung machen. Und es war das göttliche Herz, das am Kreuze verblutet ist und mit einer Lanze durchstoßen wurde. Ganz tot war dieser Jesus. So hat man ihn ins Grab gelegt, aber am dritten Tag ist er auferstanden. Er ist ja der Sohn Gottes. Das alles wußte Berta noch.

Sie fand auch ein abgegriffenes Gebetbüchlein der lieben Oma. Da waren Andachten zum Herzen Jesu besonders unterstrichen. Berta las sie, betete sie sogar. Aber ihr Herz blieb dabei leer und kalt und leblos.

Wieder saß sie draußen im Garten ganz verlassen in ihrem Rollstuhl, von einer zermürbenden Schwermut fast erdrückt, Pläne quälten sie, einfach die Pulsadern zu durchschneiden, dann ist es in wenigen Minuten aus, einfach aus, das Leben und alle Quälerei ist ausgelöscht für immer.

Da dämmerte in ihr wie ein lichtes Morgenrot der Gedanke auf, wahrscheinlich von ihrem heiligen Schutzengel eingegeben: Rede mit Jesus! Rede einfach mit ihm! Er ist doch auferstanden und ist Gott und ist der Erlöser aller Menschen, die an ihn glauben.

Sie fing an zu reden: „Jesus, du hörst mich doch! Du siehst auch, wie ich bin! Ich kann so nicht mehr leben. Du hast ein so liebendes Herz, das allen offensteht und allen helfen will, die zu dir kommen. Ich komme zu dir und ich bitte dich, hilf mir, sonst gehe ich zugrunde! Bitte, öffne mir dein Herz und tröste mich, damit ich nicht verzagen oder gar verzweifeln muß!‘

So ähnlich hat Berta damals zu Jesus geredet, wie sie mir erzählt hat. Sie hat öfter einfach so mit Jesus geredet. Es ist ihr dabei leichter ums Herz geworden, obwohl sie von Jesus keine Antwort erhalten hat. Aber sie spürte, er ist ihr nahe, er tröstet sie. Ihr Leben wurde wieder erträglicher.

Der Tante sagte sie, sie möge den Herrn Pfarrer bitten, daß er sie wieder besuche. Sie möchte beichten und dann möge die Tante sie morgen früh mit in die heilige Messe fahren. Gehen kann sie ja nicht. Das tat die Tante gern, obwohl sie so hart war in ihrem ganzen Wesen und sie immer schimpfte, daß sie zu wenig bete.

Von da an nahm sie die Tante gerne jeden Tag mit in die heilige  Messe. Es begann ein neues Leben für Berta. Wenn sie auch hilflos war, sie las religiöse Schriften, die ihr die Tante besorgte. Sie kam jeden Tag zur heilige Messe und betete gerne und viel. Anfangs nur mechanisch. Aber langsam wurde das Gebet lebendig. Und immer öfter redete sie mit Jesus in einer freien Rede. Sie erinnerte dabei Jesus immer an sein liebendes Herz.

Einmal sagte sie zu Jesus: „Das ist schwierig, mit dir zu reden, wenn du mir nie eine Antwort gibst. Das wäre für mich ein besonderer Trost, wenn du mir auch etwas sagen würdest. Wenn du mir vor allem sagen würdest, was du von mir erwartest, wie ich dir dienen kann. Du weißt ja, wie hilflos ich bin. Ich weiß darum nicht, wie ich noch etwas dir zuliebe tun könnte.“

Eines Tages hörte sie dann im Garten Jesus zu ihr reden. Zuerst etwas leise. Dann aber klar genug, daß sie alles verstehen konnte: „Mein Töchterlein, ich freue mich, daß du zu meinem Herzen gefunden hast. Du klagst, daß du so allein bist. Ich bin auch allein. Viele beten zwar zu mir, aber sie sind mit ihrem Herzen nicht bei mir. Du hast versucht, mir dein Herz zu öffnen. So will auch ich dir mein Herz öffnen. Mein Herz ist leicht und überall zu finden, weil ich überall bin. Mein Herz öffnet sich jedem, der mir sein Herz öffnet.“

Später erklärte ihr Jesus:

„Mein Töchterlein, du hast mich gefragt, was du für mich tun könntest. Viel, sehr viel kannst du für mich tun. Du bist zwar behindert, kannst nicht gehen. Aber deinen Haushalt besorgst du, wenn auch in sitzender Haltung. Ich bitte dich, tu das alles mir zuliebe! Gerade weil du behindert bist und dir darum vieles schwer fällt, ein Opfer ist, wird mir das ein großes Geschenk, wenn du das alles mir zuliebe tust.“

„Noch reichlicher wird das Geschenk deiner täglichen Arbeiten, wenn du alles mit Freude tust, weil du es für mich tust. Schau, liebes Schwesterlein, heilig wird alles, was du tust, wenn du es mir zuliebe tust. Denk an mein Herz, das so hungert nach Liebe von euch Menschen. Ich verlange nicht große Werke. Ob kleine oder große Werke, sie werden alle nur groß, wenn sie in Liebe zu mir getan sind. Was du aus Liebe zu mir tust, wird ewig leuchten, wird ein Wert, unendlich wertvoller als kostbarster Edelstein.‘

Einmal sagte ihr Jesus:
„Mein Schwesterlein, ich bin sehr mit dir zufrieden, weil du jetzt alles freudig mir zuliebe tust. Ich brauche diese deine Geschenke als Ersatz für viele, die nie daran denken, mir zuliebe etwas zu tun.“

„Ich sehe aber auch oft deine Gedanken, die meinen, ich könnte dich wieder gesund machen. Sicher könnte ich das im Augenblick. Wenn du das willst, ich kann dich sofort gesund machen. Aber laß dir erklären:

Ich habe dabei berechtigte Sorge, weil ich weiterschaue, daß du mir dann entgleitest. Du wirst dich beruflich in eine Aufgabe verlieren und hast kaum mehr Zeit für mich. Sicherlich würdest du beten und mich nicht vergessen. Aber dein Herz würde sich von mir weg verlieren. Wie wertlos würde dann dein Leben für die Liebe in meinem ewigen Reich.“

„Schwesterlein, ich will es dir sagen: Du wolltest eine berühmte Eisknstlerin werden. Du wärest stolz und eingebildet geworden und wärest mir völlig entglitten in deiner Selbstanbetung. Erst in einem schmerzlichen Fegfeuer hättest du wieder zu mir finden können. So aber gehörst du mir, bist in meinem Herzen daheim. Ich sage nicht, daß ich deinen Unfall auf dem Eis ab sichtlich wollte. Nein, aber es geschah zu deinem großen Vorteil. Du hast nun heimgefunden in mein Herz und wirst darin unermeßlich reich. So reich, daß dich viele Heilige im Himmel jetzt schon bewundern. Und viele Arme Seelen auf Erden und im Fegefeuer strecken flehend ihre Hände aus nach dir, daß du ihnen helfest.“

Ein andermal erklärte ihr Jesus:

„Du verstehst nicht, Schwesterlein, wie das sein kann, daß viele nach dir flehend die Hände ausstrecken. Das kannst du nicht sehen und auch nicht spüren. Aber ich sehe es und sage es dir. Denn es geschieht alles durch mein Herz. Du bist, seit du alles so freudig tust und erträgst in reiner Liebe zu mir, ganz in meinem Herzen geborgen. Dein Herz pulst in meinem Herzen.

Darum bist du so reich für viele, denen du helfen darfst. Wenn du das auch nicht siehst, ich sage es dir.“

„Schwesterlein, höre nicht auf, nicht einen Augenblick, alles mir zuliebe zu tun, freudig mir zuliebe zu tun und zu ertragen! Damit tröstest du mein Herz jeden Augenblick und ich kann um deiner Liebe willen viele trösten, die sonst trostlos zugrunde gehen würden.“

Berta hat mir das meiste, was ihr Jesus gesagt hatte, einmal auf einem Zettel überreicht, sodaß ich mir davon Notizen machen konnte.

Sie sagte mir selber einmal:

„Es ist das einfachste und größte Geheimnis, heilig zu werden, alles, aber auch alles in jedem Augenblick freudig aus Liebe zu Jesus zu tun. Bei nichts mehr auf eigenen Vorteil oder Nutzen schauen, sondern nur auf Jesus schauen, wie sein Herz hungert nach unserer reinen Herzensliebe.“

Berta hatte recht. Ich war nicht mehr in Wien als sie schon im Alter von kaum 40 Jahren heiligmäßig gestorben ist. Man hat mir erzählt, ihr Antlitz strahlte auf dem Totenbett wie in seliger Verklärung.

Das Leben, so einfach und wunderbar geborgen im Hezrn Jesu, ist uns allen eine Mahnung.

Das Leben der Welt rinnt schnell dahin. Wenn wir zurückschauen, fast alles, was wir so sorgsam erarbeitet haben, erscheint uns im Aufblick auf das Ewige wie nichtige Vergangenheit. Was wir asu Liebe zu Jesus getan haben, und war es der geringste Handgriff oder Gedanke, nur das ist ewiger Wert. Denn es ist geborgen in der Liebe des göttlichen Herzens.

Wir sollen bedenken, wie sehr Jesus dürstet nach unserer Liebe, weil nur dann die Erlöserliebe seines Herzens für uns fruchtbar wird und uns reich macht für die Herrlichkeit des Himmels.

Warum leben wir arm und armselig auf dieser Welt dahin, wenn wir in der Liebe des Herzens Jesu so unendlich reich werden könnten nur mit dem ständigen Willen: Jesus, alles dir zuliebe.

- Mit freundlicher Genehmigung des St. Grignion-Verlag Altötting - Quelle: Buch: Von H. H. Geistlicher Rat Pfarrer Wagner - „In das Reich der unendlichen Liebe - Das offene Tor in’s Reich  der Liebe (Herz Jesu) Seite 309 bis 334

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Beitrag - Die Handkommunion Hintergründe - ein Kardinal berichtet

Sankt Athanasius Bote Nr. 13 - September 2012

Von Mutter Theresa wird die Aussage einer Gruppe von Bischöfen gegenüber berichtet, die Handkommunion sei das schlimmste Übel in der heutigen Kirche. Kardinal Alphons Maria Stickler sagte zum Verfasser dieses Beitrages, durch die Handkommunion sei für die Kirche schwerer Schaden entstanden und von Rom aus müsse eine Korrektur erfolgen. Bei Papstmessen ist neuerdings die Mundkommunion vorgeschrieben.

Wie aber kam es nach dem II. Vatikanischen. (Pastoral-) Konzil überhaupt zur Handkommunion? Vom tief frommen und gelehrten Kardinal Stickler erfuhr der Verfasser die teilweise dramatischen Hintergründe dieses folgenschweren Bruches mit der liturgischen Überlieferung. Auf das II. Vatikanische Konzil können sich die Verfechter dieser verhängnisvollen Neuerungjedenfalls nicht berufen.

Ein (fast) unbekanntes Dokument und seine Folgen.

Die römische Instruktion „Memoriale Domini“ (über die Weise der Austeilung der Heiligen Kommunion) trägt das Datum vom 29. Mai 1969. Sie ist unterschrieben von Benno Kardinal Gut als Präfekt der Gottesdienstkongregation und Annibale Bugnini als Sekretär. Die Approbation Papst Pauls VI. erfolgte am 28. Mai.

Nach einer liturgie- und dogmengeschichtlichen Einleitung, welche besonders den Glauben an die Realpräsenz (Gegenwart) Christi auch in den kleinen Teilchen der eucharistischen Gestalten und die Notwendigkeit, den überlieferten Kommunionritus (der Mundkommunion) zu bewahren, betont, heißt es in diesem Dokument: „Weil einige wenige Bischofskonferenzen und einige einzelne Bischöfe gewünscht haben, daß in ihren Gebieten der Brauch zugelassen werde, das konsekrierte Brot in die Hand der Christgläubigen zu legen, hat der Heilige Vater angeordnet, daß alle Bischöfe der gesamten lateinischen Kirche befragt werden sollen, was sie von der Angebrachtheit der Einführung eines solchen Ritus halten. Eine Änderung nämlich in einer Sache von solcher Tragweite, die sich außerdem auf sehr alte, ehrwürdige Überlieferung stützt, berührt nicht nur die Disziplin, sondern bringt die Gefahr mit sich, daß aus der neuen Weise der Austeilung der heiligen Kommunion die Ehrfurcht dem erhabenen Sakrament des Altares gegenüber verringert werden könnte, oder daß zu befürchten wäre, daß Sakrilegien geschehen, oder aber, daß die rechte Lehre verfälscht wird. Aus diesem Grunde wurden den Bischöfen 3 Fragen vorgelegt, auf die bis zum 12. März dieses Jahres (1969) folgende Antworten gegeben wurden.“

Es folgen nun die 3 Fragen mit den Abstimmungsergebnissen seitens der Bischöfe. Nun heißt es weiter: „Aus den eingegangenen Antworten ist also klar, daß die weit größere Mehrheit der Bischöfe der Auffassung ist, daß man die gegenwärtige Disziplin keinesfalls ändern soll. Wenn diese geändert werden sollte, wird dies dem Empfinden wie dem Geist der Anbetung derselben Bischöfe und vieler Gläubiger Ärgernis bereiten. Aus diesem Grunde sah der Heilige Vater - unter Beachtung der Bemerkungen und der Ratschläge derer, die vom Heiligen Geist als Bischöfe eingesetzt sind, die Kirche zu leiten - unter Beachtung der Bedeutung der Sache und des Gewichtes der vorgebrachten Gründe - es als nicht angebracht an, die herkömmliche Weise der Austeilung der heiligen Kommunion zu ändern. Aus diesem Grunde ermahnt der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck, dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen: Sei es, weil diese Entscheidung auf dem Urteil des größeren Teiles des katholischen Episkopates gründet, sei es, weil der gegenwärtige Ritus der heiligen Liturgie dies so vorsieht, sei es schließlich, weil das gemeinsame Wohl der Gesamtkirche zu berücksichtigen ist.“

Ein widersprüchlicher Zusatz als Einfallstor für den Umbruch.

Das Dokument findet hier eigentlich seinen klaren Abschluß. Nun folgt aber ein offenbar später hinzugefügter Absatz, der in der Praxis das Einfallstor für das Gegenteil des vorher Angeordneten wurde: „Wenn aber irgendwo der entgegengesetzte Brauch, nämlich, die heilige Kommunion in die Hand zu legen, schon überhand genommen hat, wird der Apostolische Stuhl, um den Bischofskonferenzen in der Erfüllung ihres pastoralen Amtes zu helfen, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen erschwerten Lage der Dinge, diesen Bischofskonferenzen die Last und den Auftrag erteilen, die besonderen Umstände - wenn solche vorhanden sind - zu erwägen, jedoch unter der Bedingung, daß jede Gefahr, sei es der Verringerung der Ehrfurcht, sei es die des Einreißens falscher Meinungen von der Heiligsten Eucharistie, abgewehrt wird und unter der Bedingung sorgfältiger Beseitigung auch der übrigen Unzukömmlichkeiten. (Zwischenbemerkung der Redaktion: Alle diese Bedingungen sind heute nach-weislich praktisch nirgends gegeben, ja unerfüllbar! Dies allein macht diese Ausnahmebestimmung nichtig!) In solchen Fällen, um den neuen Brauch richtig zu ordnen, sollen die Beschlußkonferenzen nach kluger Prüfung die angebrachten Entscheidungen fällen, die in geheimer Abstimmung mit 2/3 Mehrheit zu beschließen sind. Diese Entscheidungen sind dann dem Heiligen  Stuhl für die notwendige Bestätigung mit der genauen Angabe der Gründe, die zu ihnen geführt haben, zu unterbreiten. Der Heilige Stuhl wird jeden einzelnen Fall genau erwägen.“

Das Ergebnis ist bekannt. So wie Dominosteine der Reihe nach fallen, so wie eine Türe, einen Spalt geöffnet, durch den Wind aufgerissen wird, wurde die Handkommunion der Reihe nach in allen westeuropäischen Ländern eingeführt, und ist die Praxis der Mundkommunion weitgehend verschwunden. Auch die italienische Bischofskonferenz schaffte es nach Jahren im 3. Anlauf, bei der 3. Abstimmung.

Welche Erklärung gibt es für den folgenschweren Widerspruch zwischen dem Hauptteil und dem Anhang im obigen Dokument? Gemäß der Aussage eines absolut zuverlässigen, mir bekannten Zeitzeugen (Kardinal Alphons Maria Stickler) war Kardinal Döpfner von München kurz vor Erscheinen der Instruktion „Memoriale Domini“ bei Papst Paul VI. und konnte mit massiver Intervention obigen Zusatz erreichen. 3 Monate vor Erscheinen des Dokumentes hatte sich Kardinal Gut dem Papst zu Füßen geworfen und dringend gebeten, an der Kommunionpraxis nichts zu ändern. Der Papst hob ihn gütig auf und versicherte, es bleibe alles beim alten. Tatsache ist, daß die traditionelle Form der Kommunionspendung zugunsten der Handkommunion weitgehend verschwunden ist.

Eine verräterische kleine Änderung.

Am 3. April 1985 erließ die Gottesdienstkongregation eine „notificatio“, sozusagen Ausführungsbestimmung zur Handkommunion. Hier wird die Anweisung aus der 5. mystagogischen Katechese des heiligen Cyril von Jerusalem (gest. 386) zitiert, „beide Hände so zu halten, daß die linke Hand einen Thron für die rechte Hand bildet, denn diese empfängt den König.“ So sollten es nun die Empfänger der Handkommunion von heute auch machen. Allerdings wird in dem Dokument auf eine Anmerkung verwiesen, in der es heißt: „Praktisch muß man die Gläubigen heute das Gegenteil lehren: Die linke Hand muß auf der rechten liegen, damit die Hostie leichter mit der rechten Hand zum Mund geführt werden kann.“ Eine eigenartige Anmerkung, denn die Mehrzahl der Leute damals waren ebenso wenig Linkshänder wie heute. Genau diese Stelle ist der Beweis, daß die konsekrierte Hostie in der frühen Kirche von den Gläubigen nicht ergriffen, sondern mit dem Mund sorgfältig aufgenommen wurde. Die Hand war vielfach noch durch ein spezielles Tüchlein verdeckt, das sogen. „Dominicale.“

Die geschichtliche Entwicklung

Im semitischen Kulturbereich gab es zur Zeit Jesu bei einem Gastmahl kein „Reichen der Speise in die Hand.“ „Wollte der Gastgeber einen Gast besonders ehren, ergriff er ein Stück Speise und reichte es dem Gast in den Mund.“ (Alois Friedrich, in Una-Voce-Korrespondenz, März/April 1975 - Seite 112) Christus reichte dem Judas den eingetauchten Bissen in den Mund (Joh 13, 26 f.; nicht die Eucharistie) - auf die Hand ist dies wohl nicht gut möglich. Damit ist aber auch klar, wie Christus den Aposteln die eucharistische Speise reichte (Lk.22, 19). Der heilige Papst Sixtus I. (117-126), der als siebter Papst 50 Jahre nach dem heiligen  Petrus regierte, „brachte nachdrücklich die apostolischen Regeln in Erinnerung, indem er festsetzte, daß allein Diener des Kultes, die Priester, die heiligen Geheimnisse berühren dürfen.‘ (Sixtus I in Reg. Pontificium, p. 919, zit.nach K. Schultes -  Der neue Tag, Blatt  des katholischen Glaubens III, - Altötting 1989, S.eite 16) Verschiedene Umstände führten im 3. Jahrhundert zu einer Art Handkommunion, bei der das eucharistische Brot zwar auf die Hand gelegt, aber von den Kommunikanten nicht ergriffen, sondern vielmehr sorgfältig mit dem Mund aufgenommen wurde. Die Hand war vielfach noch mit einem Tüchlein bedeckt. Die altchristliche Disziplin, Heiliges, besonders aber das Allerheiligste, nicht mit den Händen zu berühren, ist durch eine Reihe von Bildern (Reliefs) gut belegt. Ich habe selbst ein solches Relief auf einem Sarkophag von etwa 300 n. Chr., also noch aus der Verfolgungszeit gesehen (in einer nicht allgemein geöffneten Katakombe)

Nach dem Sieg des Christentums unter Kaiser Konstantin, (313), setzte eine religiöse Verflachung ein; der arianische Irrglaube erfaßte im 4. Jahrhundert den größeren Teil der Bischöfe und der Kirche. Dies dürfte zu einer (beschränkten!) Form der Handkommunion (ohne Ergreifen!) ebenso beigetragen haben wie Notsituationen während der vorausgehenden Verfolgungszeit (Haus- und Krankenkommunion). Im 5./6. Jahrhundert wurde diese Form der Handkommunion in der Kirche wieder abgeschafft (Klaus Gamber, Ritus modernus, Regensburg 1972, Seite  550), nachdem der Arianismus überwunden war. Grobe Mißbräuche und schwerwiegende Verunehrungen waren für diese Änderung der Kommunionpraxis ein wesentlicher Grund. (Otto Nußbaum -  Die Handkommunion -  Köln 1969, Seite  22)

Es fällt auf, daß die Überwindung der arianischen Irrlehre in einem gewissen zeitlichen Zusammenhang mit der Abwendung von der damaligen „Handkommunion“ (ohne Ergreifen der Hostie durch den Laien) steht. Heute, zusammen mit einem klaren Einbruch nestorianischer Tendenzen (Irrleher im 5. Jahrhundert), kehrt die Praxis der Handkommunion sogar in viel gefährlicherer und ehrfurchtsloserer Form zurück. Nicht einmal Luther billigte die Handkommunion, er verwarf sie als Ausdruck des Unglaubens.

Mehr als 40 Jahre Handkommunion - Folgen und Folgerungen:

Fassen wir das Geschehen der letzten 40 Jahre nochmals zusammen: am 29. Mai 1969 wird in der im Auftrag von Papst Paul VI. herausgegebenen Instruktion ausdrücklich vor der Gefahr des Ehrfurchtsverlustes, der Sakrilegien und der Verfälschung der Lehre gewarnt. Nachdem die Befragten Bischöfe des katholischen Weltepiskopats die Neuerung mit großer Mehrheit abgelehnt hatten, „ermahnte der Heilige Stuhl die Bischöfe, die Priester und die Gläubigen mit allem Nachdruck dem geltenden und erneut bestätigten Gesetz mit Eifer zu folgen.“ Ein kleiner offenbar nachträglich angeführter Zusatz macht jedoch alles zunichte, ein Türspalt genügt, um alles in’s Gegenteil zu verkehren.

Papst Cölestin I. (422-432) hat in einem Brief an die Bischöfe Galliens (Ep.2 1) den oft zitierten Satz geprägt: „Lex orandi lex credendi“ (Die Norm des Betens entspricht der Norm des Glaubens), das heißt Glaube und Liturgie gehören eng zusammen, ja sie bedingen einander. Liturgie ist der Ausdruck des lebendigen Glaubens der Kirche. (Klaus Gamber, Alter und Neuer Meßritus, 1983) Liturgie, liturgische Zeichen haben aber auch entscheidende Auswirkungen auf den Glauben. Mit der Einführung der Handkommunion beginnt ein unheimliches Großexperiment und allzu rasch und immer deutlicher stellen sich die befürchteten Folgen ein: Ehrfurchtsverlust, Sakrilegien (und Partikelverlust), Glaubensverlust. Kein Zufall, wenige Wochen vor der Öffnung des Türspaltes zur Handkommunion erfolgte die Promulgation des Novus Ordo Missae, der „Neuen Messe.“ (6. April 1969) Sechs protestantische Theologen waren jahrelang bei den Vorarbeiten zur „Neuen Messe“ anwesend. Diese Vorarbeiten wurden geleitet durch Erzbischof Annibale Bugnini

Es waren dieselben Leute, die das alles vorantrieben, derselbe Geist, der sie erfüllte, in Holland, in Deutschland und in Rom. Wie sagte Kardinal Ratzinger in seiner Autobiographie (Wilhelm Heyne Verlag, 1997  Seite 174)? „Ich bin überzeugt, daß die Kirchenkrise, die wir heute erleben, weitgehend auf dem Zerfall der Liturgie beruht.“

Sakrilegien

Da ist nicht nur an Extreme zu denken, wie etwa die zunehmende Entwendung von Hostien für Satansmessen. Mir wurde vor kurzem von einer Brautmesse im Gastgarten berichtet, bei der der Bräutigam „die Brötchen“ im Körbchen austeilte, die Braut den „Wein.“ Alles ging nahtlos in das servierte Mittagessen über, die übriggebliebenen, hoffentlich nicht gültig konsekrierten „Brötchen“ standen für die Suppe zur Verfügung.

In einer nahe gelegenen Pfarrkirche wurden von der Putzfrau 2 Hostien am Boden gefunden. Das sind alles nicht nur bedauerliche Entgleisungen, vielmehr ist es die Folge einer entsakralisierten Liturgie, auch eines veränderten Ritus der Kommunionspendung, die Folge verminderter Ehrfurcht und verminderten Glaubens.

Partikelverlust - Ehrfurchtsverlust - Glaubensverlust

Wenigen ist bewußt, daß bei der heutigen Kommunionpraxis der Partikelverlust fast nicht zu vermeiden ist. Zwei Beispiele: Ein mir bekannter Priester ersuchte einen Kommuniönempfänger nach der von diesem verlangten Handkommunion, die Finger genau zu betrachten - es waren deutlich 2 kleine Partikel zu erkennen. In einer mir bekannten Pfarrkirche wird gemäß der noch immer geltenden Vorschriften für die Laienkommunion eine Kommunionpatene verwendet, auf ihr sind wöchentlich mehrmals Partikel zu finden. Wohin gelangen diese Teilchen wohl, wenn keine Patene verwendet wird, wie dies heute üblich ist?

Bei der überlieferten Liturgie gibt es eine Reihe von Vorschriften bezüglich der Sorgfalt im Umgang mit den konsekrierten Gestalten (zum Beispiel bei der Kelchreinigung, Fingerhaltung). Diese wohlbegründeten Vorschriften sind bei der „Neuen Messe“ weggefallen.

Den Priestern kann das alles nicht verborgen bleiben. Verständlich ist, wenn der Priester an der Gegenwart des Herrn zunächst in den kleinen Teilchen zu zweifeln beginnt, um sein Gewissen zu beruhigen. Nun ist aber vom Konzil von Trient die Gegenwart Christi auch in den Teilen der konsekrierten Hostie dogmatisch definiert. Wer an die Gegenwart des Herrn in den Teilen nicht mehr glaubt, läuft Gefahr, den Glauben an die Realpräsenz überhaupt zu verlieren.

Ergreifen dürfen, heißt nur allzu leicht, daß etwas verfügbar, beherrschbar, manipulierbar wird, und dies mindert die Ehrfurcht. Ehrfurcht, Glaube und Liebe haben einen sehr tiefen Zusammenhang. Hand- und Stehkommunion hängen ebenfalls zusammen. Der Verlust der Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten Altarsakrament steht weiters in enger Verbindung mit dem geschwundenen Sündenbewußtsein. Das Bußsakrament ist bekanntlich weithin verschwunden. Zur Kommunion gehen jedoch alle; bei Hochzeiten und Begräbnissen auch solche, die jahrelang nicht in der Kirche waren.

Konsequenzen für den einzelnen

Kein Zweifel: Viele üben die Praxis der Handkommunion mit gutem Gewissen und in guter Absicht. Wer aber die Zusammenhänge erkennen kann, ist im Gewissen gehalten, entsprechend zu handeln und von dieser dem Papst abgerungenen Praxis Abstand zu nehmen. Kardinal Stickler sagte zu mir, daß die Beseitigung der Handkommunion eine entscheidende Voraussetzung für die Behebung der gegenwärtigen Kirchenkrise sei und die Korrektur von Rom aus erfolgen müsse.

Liebe Freunde! Die Handkommunion in ihrer modernen Form ist eine schwere Wunde am Mystischen Leib Christi. Beten wir um Heilung dieser Wunde. Laßt uns aber auch heute tun, was heute möglich ist - in Güte, Klarheit und Festigkeit! Lassen wir uns nie zur Handkommunion zwingen! - F .Bentz

Nachbemerkung:

Das ganze Problem der Handkommunion kann natürlich nur bei der „Neuen Messe“ auftreten und zeigt damit einmal mehr deren Problematik.

- Mit freundlicher Genehmigung des St. Athanasius Bote A-4786 Brunnenthal OÖ. Quelle: Zeitschrift „St. Athanasius Bote“ Nr. 13 von September 2012 - Beitrag: „Die Handkommunion - Hintergründe - ein Kardinal berichtet“ - Seite 3 bis 6 - Autor: F. Bentz

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Beitrag- 13a - Knien bei der Kommunion

Selbstverständlich kann die heilige Kommunion im Stehen würdig (z. B. bei Kniebeschwerden) empfangen werden und im Knien unwürdig. Entscheidend sind das Freisein von zumindest schwerer Schuld, die Vorbereitung, die Absicht, die Lauterkeit des Herzens.

Nun haben Zeichen aber doch ihre Bedeutung. Von den drei Weisen des Morgenlandes heißt es (Math. 2, 11): „Und sie traten in das Haus, fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter, fielen nieder und beteten Es an.“ So wie für die Weisen die Kniebeuge vor dem kleinen Kindlein ein selbstverständliches Zeichen der Anbetung ist, berichtet Lukas uns dasselbe von den Aposteln bei der Himmelfahrt Jesu vor dem verklärten Herrn (Lk 24, 52): „Sie warfen sich anbetend vor ihm nieder und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück.“ Mit der Anbetung Gottes ist das Beugen des Knies als Zeichen zutiefst verbunden. Paulus sagt im Römerbrief (Röm 14, 11): „Denn es steht geschrieben: So wahr ich lebe, spricht der Herr, jedes Knie soll sich vor mir beugen, und jede Zunge soll Gott bekennen.“

Im Philipperbrief sagt Paulus (Phil 2, 10): „Im Namen Jesu soll sich jedes Knie beugen.“ Ein Priester erzählte mir, daß Kaiserin Zita wenige Monate vor ihrem Tode darauf bestand, in ihrer ganzen Hinfälligkeit, mit ihren Krücken sich zum priesterlichen Segen, eigentlich zum Segen Gottes durch den Priester, niederzuknien.

Die Anbetung des Herrn im Allerheiligsten erfordert das Knien

Das Zeichen des Kniens ist mit der Anbetung zutiefst verbunden. Wenn Christus im Allerheiligsten wirklich gegenwärtig ist, wenn ich in der Kommunion wahrhaft dem allmächtigen Gott begegne, ist die Kniebeuge der angemessenste Ausdruck, wenn keine körperliche Behinderung vorliegt. Der 1801 verstorbene evangelische Prediger Joh. Caspar Lavater sagte: ,,Könnte ich an die Gegenwart Christi im Sakrament glauben, ich würde mich vor Anbetung nicht mehr von meinen Knien erheben!“

Der verhängnisvolle Zwang zur Stehkommunion muß beendet werden!

Diese Zeilen sind keine Anklage gegen die vielen, die heute bei der Kommunion nicht mehr knien und oft zumeist auch nicht knien können, weil keine Kommunionbank mehr da ist. Aber täuschen wir uns nicht, Zeichen haben ihre Bedeutung, ihre Wirksamkeit, ob sie nun bewußt gesetzt werden, oder ob sie unbewußt unterlassen werden. Kaum ermeßbar ist, wieviel Glaube geschwächt und zerstört wurde, weil man dem Herrn der Welt, dem Herrn über Leben und Tod nachlässiger gegenübertritt als einem hochgestellten Menschen. Am Rande erwähnt: Es besteht ein gewisser Zusammenhang zwischen Steh-und Handkommunion ... Viele Priester haben dies wohl zu wenig bedacht, weil sie sich dem Trend der letzten Jahre anschlossen, die Kommunionbank wegräumten und die Gläubigen beim Kommunionempfang zum Stehen zwangen. Die Hirten haben doch eine sehr schwere Verantwortung!

Niemand sollte sich zwingen lassen, vor dem HERRN der Welt zu stehen!

Die Anbetung Gottes bringt die wahre Erneuerung der Kirche

Sicherlich ist hier eine Stelle, und zwar eine bedeutsame, durch die der Rauch Satans (Wort Papst Pauls VI.) in die Kirche gedrungen ist. Andere Übel - wohl in einem gewissen Zusammenhang - sind mangelnde Vorbereitung und mangelnde Danksagung sowie der praktisch gänzliche Wegfall des eucharistischen Fastens. Mögen viele Christen, vor allem viele Hirten, diese Übel erkennen und dann entsprechend handeln. Eine Kommunionbank als Möglichkeit zum Knien ist wohl das Mindeste.

Durch die Anbetung des Herrn erhält der Mensch die Kraft zu tun, was Gott will, die Anbetung Gottes bringt die wahre Erneuerung der Kirche.

Mit freundlicher Genehmigung des St. Athanasius Bote A-4786 Brunnenthal OÖ. - Quelle Zeitschrift „St. Athanasius Bote“ Faltblatt „Die Handkommunion - Hintergründe - ein Kardinal berichtet“ - Seite 4 - Beitrag: „Knien bei der heiligen Kommunion“ - Autor F. Bentz

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Die Heilige Kommunion
Worte Jesu an die heilige Birgitta

Worte Jesu Christi: Halte fest, meine Tochter, daß ich der Erlöser, der Wiederbringer des Lebens, der Wahrhaftige, ja die Wahrheit selbst und die ewige Allmacht bin, durch welche alles ist und außer welcher nichts war und sein wird. Denn wenn du glaubst, daß ich in des Priesters Händen bin, so wiederhole und beteuere ich, daß, wenn auch der Priester daran zweifeln sollte, ich doch um der Treue der Glaubenden und der Anwesenden willen wahrhaftig in seinen Händen bin, und zwar in Kraft der Konsekrationsworte, welche ich persönlich ausgesprochen habe. Und ein jeder, der Mich empfängt, empfängt unter der Gestalt des Brotes meine Gottheit und Menschheit. Was ist meine Gottheit, wenn nicht das Leben, die Süßigkeit, das Licht, das erleuchtet, die Güte, die heseligt, die Gerechtigkeit, welche richtet, die Barmherzigkeit, welche rettet? Was aber ist meine Menschheit, wenn nicht mein glorifizierter Leib, die Vereinigung der Gottheit und Menschheit, das Haupt aller Gläubigen? Jeder also, der an meine Gottheit glaubt und meinen Leib empfängt, empfängt meine Gottheit; denn er empfängt das Leben. Er empfängt auch meine Menschheit, in welcher Gott und Mensch in einer Person vereinigt sind. Er empfängt auch die Gestalt des Brotes, unter welcher, als unter einer fremden Gestalt, zur Mehrung des Verdienstes des Glaubens, die wahre und eigentliche Gestalt des Verborgenen enthalten ist.

In gleicher Weise empfängt auch der Böse dieselbe Gottheit, aber als die richtende, nicht als die verschonende, er empfängt auch die Menschheit, aber nicht als die ihm gnädige. Er empfängt auch die Brotsgestalt; denn unter der sichtbaren Gestalt empfängt er die unter ihr verborgene, lebendige Wahrheit, deren Süßigkeit er aber nicht zu kosten bekommt. Denn sobald sein Mund Mich berührt und das Sakrament gespendet ist, da weiche Ich mit Gottheit und Menschheit von ihm zurück, und die Gestalt allein bleibt zurück; nicht als wäre Ich in Kraft der Einsetzung des Sakramentes für die Bösen nicht ebenso wie für die Guten wahrhaftig zugegen; aber die Wirkung meines Sakramentes ist eine andere für die Guten, eine andere für die Bösen. Endlich wird im Sakrament dem Menschen das Leben, d. i. Gott selbst gereicht, und als das Leben geht Er in den Menschen ein; doch bleibt Er nicht bei den Bösen, die von der Sünde nicht lassen wollen; und so bleibt für die Sinne derselben nur die Gestalt des Brotes allein. Doch nicht so, als hätte diese Gestalt, welche nur ein Akzidens der Brotsubstanz ist, für sie irgendwelche Wirkung; sondern weil sie beim Empfang des Sakramentes an nichts weiter denken als nur an das, was ihnen die Sinne des Gesichts und des Geschmacks zeigen. Es ist hei ihnen geradeso, als kehre ein mächtiger Herr in einem Hause ein, dessen Besitzer sich zwar der äußeren Figur dieses Herrn erinnerte, aber die Gegenwart seiner Güte ganz und gar vergäße.

Der Verrat am heiligsten Sakrament

Höret es, meine Engel und das ganze Heer meiner Heiligen! Die Priester habe ich Mir vor allen Engeln und Gerechten auserwählt und ihnen die Vollmacht erteilt, das Sakrament meines Leibes zu verwalten. Ich habe sie Mir zu näheren und vertrauteren Freunden erwählt als die Propheten; denn sie vernehmen nicht bloß meine Worte, sondern sie dürfen Mich mit ihren Händen berühren, was keiner der Propheten oder der Engel je durfte. Wäre es mein Wille gewesen, so hätte ich wohl auch einen Engel zti diesenii Amt erlesen können; allein meine Liebe zu den Priestern war so groß, daß ich nur ihnen allein diese Auszeichnung verliehen und verordnet habe, daß sie in sieben Ordnungen vor Mir stehen: Geduldig wie die Schafe; unerschüttert wie eine Mauer auf gutem Grund; beherzt wie Krieger; klug wie die Schlangen; schamhaft wie eine Jungfrau; rein wie Engel; liehebrennend wie Braut und Bräutigam

I)ie priesterlichen Gewänder sind die Zeichen oder Sinnbilder der Zierden und Tugenden, mit denen die Seelen der Priester geschmückt sein müssen und durch welche sie mächtig sind, den Teufel zu überwinden.

Ich gab den Priestern eine fünffache Vollmacht: Die Vollmacht, zu binden und zu lösen im Himmel und auf Erden. Ich gab ihnen die Befähigung, Mir aus dem schlimmsten Feind einen Freund, aus einem Teufel einen Engel zu machen. Ich gab ihnen die Vollmacht, meine Worte zu predigen, die Vollmacht zu konsekrieren, was kein Engel zu tun vermag; endlich die Vollmacht über meinen Leib, den keiner aus euch, so er vor ihm liegen würde, zu berühren wagte.

Fortdauernder Verrat

Und doch werde ich von so vielen aus ihnen verraten! David gebraucht in seinem Psalm (40, 10) die Worte: „Der mein Brot aß, gedachte Mich zu verraten.“ David sagte nicht: „Er gedenkt“, sondern „er gedachte“, als wäre der Verrat schon gewesen. Er bezeichnet auch nur einen einzigen als den Verräter. Ich aber sage, daß ich unter meinen Verrätern solche verstehe, welche heutzutage leben; nicht jene, die früher gelebt haben oder erst künftig leben werden, sondern die gegenwärtig am Lehen sind. Es sind ihrer nicht ein einziger nur, sondern gar viele.

Brot der Engel - Brot der Menschen

Du fragst Mich aber: Sind es denn nicht zweierlei Brote: ein unsichtbares und geistiges, von dem die Engel und Heiligen im Himmel leben, und ein Irdisches, mit dem sich die Menschen auf Erden nahren? Die Engel und die Heiligen im Himmel aber, fährst du fort, wollen nichts anderes, als was nach deinem Willen ist; die Menschen auf Erden aber vermögen mehr nicht, als was Du ihnen gestattest; wie kann also von einem Verrat die Rede sein? Ich antworte dir angesichts meiner himmlischen Heerscharen, die alles in Mir schauen und erkennen: Ja, es gibt ein zweifaches Brot: Ein Brot der Engel, welches sie im Reich der Himmel genießen, um von meiner unaussprechlichen Herrlichkeit gesättigt zu werden; diese aber verraten Mich nicht, weil sie nur wollen, was Ich will. Jene aber verraten Mich, die mein Brot am Altare genießen. Ich selbst bin in Wahrheit dieses Brot. An diesem Brot wird Dreierlei von den Sinnen wahrgenommen: die Gestalt, der Geschmack, die Rundung; denn Ich selber habe auch an Mir diese drei Eigenschaften: den Geschmack, die Gestalt, die Rundung. Den Geschmack: wie ohne das Brot jede andere Speise unschmackhaft und kraftlos ist, so ist auch ohne Mich alles, was immer es sein mag, geschmacklos und ganz und gar kraftlos und nichtig. Ich habe auch die Gestalt des Brotes, da meine Menschheit von der Erde stammt, d. i. aus meiner jungfräulichen Mutter, der Tochter Adams, der aus der Erde war gebildet worden. Ich habe auch die Rundung, an welcher Anfang und Ende nicht zu entdecken ist; denn Ich bin ohne Anfang und Ende. Niemand vermag in meiner Weisheit, Macht und Liebe Anfang und Ende zu erkennen oder zu finden. Ich bin in allem, über allem und außer allem; und würde jemand rasch wie ein Pfeil ohne Unterbrechung durch alle Ewigkeit fliegen, er würde doch nie die Grenze noch die Tiefe meiner Macht und Stärke erreichen.

Für die Guten zum Heil, für die Schlechten zum Verderben

Um dieser drei Eigenschaften, des Geschmackes, der Figur, der Rundungen willen bin ich jenes Brot, das als Brot auf dem Altar mit den Sinnen gesehen und empfunden wird, das aber in meinen Leib, der gekreuzigt wurde, gewandelt wird. Gleichwie nämlich ein trockenes, schnell brennbares Holz in dem Augenblick, da es in das Feuer gelegt wird, so daß von der Flamme ergriffen und verzehrt wird, so daß von der Gestalt des Holzes nichts zurückbleibt, sondern das Ganze nur Flamme ist, so wird durch die Kraft der Konsekrationsworte das, was zuvor Brot war, augenblicklich mein Leib, indem es nicht wie das Holz von dem Feuer in eine Flamme, sondern von meiner Gottheit in meinem Leib gewandelt wird. Darum kann ich sagen: die mein Brot essen, sind es, die Mich verraten. Welcher Verrat könnte aber schrecklicher sein als jener, wo von Zweien, welche durch ein unauflösliches Band miteinander verbunden sind, einer den andern verrät? Das aber tun Priester, welche wissentlich im Stand der Todsünde an den Altar treten, zwar einige Reue erwecken, dabei aber doch denken, daß sie die nächste Gelegenheit, die sie wieder zu Fall bringen wird, nicht melden wollen. Die Priester sind mit Mir durch ein unlösbares Band verknüpft, wenn sie am Altar die Hostie in die Hand nehmen und über sie die Konsekrationsworte sprechen, welche das Brot in meinen wahren Leib verwandeln, den ich aus der Jungfrau angenommen habe. Dies vermöchten alle Engel zusammen nicht; denn die Priester allein haben diese Vollmacht von Mir empfangen, und sie allein habe Ich zu dieser höchsten Würde erhöht. Wäre ein Priester auch der schlechteste Mensch, so wird doch, sobald er am Altar die Konsekrationsworte spricht, das Brot in meinen wahren Leib gewandelt, und Ich liege vor ihm als wahrer Gott und wahrer Mensch. Wenn er Mich aber zu seinem Munde führt, dann weiche ich, d. i. die Gnade meiner Gottheit und Menschheit, von ihm zurück. Gestalt und Geschmack des Brotes aber bleiben ihm; doch nicht so, als wäre Ich nicht wahrhaft gegenwärtig den Schlechten sowohl, als wie den Guten kraft der Einsetzung des Sakramentes; aber die Wirkung des Sakraments ist eine andere für die Guten, eine andere für die Schlechten.

Leben für Christus oder leben für sich selbst und die Welt

Die schlechten Priester, welche wissentlich im Stand der Todsünde konsekrieren, zeigen Mir zwar ein freundliches, sanftes Gesicht, führen Mich aber an einen verborgenen Ort, um Mich da zu verraten. Sie zeigen ein freundliches Gesicht, indem sie vor den Menschen als fromm und aufrichtig erscheinen wollen; sie führen Mich an den verborgenen Ort, indem sie zum Altar gehen, wo Ich bereit bin, ihren Willen zu erfüllen. Sie aber verraten Mich. Für’s erste führen sie wie einen harten Schlag auf Mich, indem Ihnen das Chorgebet eine harte Last und eine Beschwerde ist, denn viel lieber sprechen sie Hunderte von Worten, der Welt zu gefallen, als nur eines Mir zur Ehre; und lieber geben sie hundert Mark Goldes für weltliche Dinge hin als nur einen Heller für Mich. Hundertmal lieber arbeiten sie für ihren eigenen Vorteil oder den der Welt als nur einmal für meine Ehre. Mit solchem Schlag aber erdrücken sie Mich, daß Ich tot in ihrem Herzen bin.

Sie verwunden Mich auch mit einem spitzigen Eisen, das Mir durchs Herz dringt, wenn sie an den Altar tretend ihrer Sünde gedenken, eine unkräftige Reue erwecken, aber doch bei sich sprechen: Ich kann mit der Gelegenheit nicht brechen, so daß ich nimmer in die Sünde fallen würde. Und dies ist das Eisen, mit dem sie Mich durchbohren.

Wenn ich alt bin, werde ich ernst machen und mich bessern

Sie nehmen Mir auch den Atem, wenn sie, zum Altare gehend, bei sich sprechen: Es ist so angenehm, es mit der Welt zu halten, und ich kann nicht enthaltsam leben. Solange ich noch jung bin, will ich nach meinem Gefallen leben; bin ich aber einmal alt geworden, dann will ich mir mehr Gewalt antun und mich bessern. Dieser schreckliche Gedanke bringt Mich wie zum Ersticken. Wie meine Ich das? Ihr Herz ist so erkaltet und für Mich und die Tugend so erstorben, daß es sich nicht mehr erwärmen und zu meiner Liebe erheben kann. Gleichwie es keiner Flamme gelingt, eine Eisscholle zum Brennen, wohl aber zum Schmelzen zu bringen, so erheben sich jene, wenn ich ihnen auch die Gnade dazu biete und sie meine Warnungen hören lasse, doch nicht auf den Weg des Lebens, sondern sie sind wie erstickt und unfähig zu jeder Tugend. Ach, sie treten so unverschämt zum Altar, legen Mich vor sich hin, mißhandeln Mich, den wahren Gott und wahren Menschen, der ich Mich mit Ihnen gleichwie an einem verborgenen Orte befinde; denn niemand weiß und sieht, wie schlecht und häßlich die sind von denen Ich als ihr Herr und Gott wie an einem geheimen Orte liege. Solche Priester aber sind nicht meine Priester, sondern meine Verräter, die Mich wie Judas verkaufen und verraten. Ich übersehe die Heiden und die Juden; aber ich erblicke unter ihnen keine Schlechteren als diese Priester, welche sich derselben Sünde schuldig machen, durch welche Luzifer gefallen ist. Sterben Sie in solchem Zustand und in der Verfassung, in der sie sich jetzt befinden, so bleiben sie ewig ausgeschlossen von meiner Liebe und werden für ewig verdammt werden.

- Mit freundlicher Genehmigung des Mediatrix-Verlag - Quelle: Zeitschrift „Vox Fidei - Stimme des Glaubens“ Bad Waldsee-Reute (Firma erloschen) Nr. 9/97 vom 1. Oktober 1997 - Beitrag „Die heilige Kommunion - Worte Jesu an die heilige Birgitta“ Aus: Birgitta von Schweden - „Offenbarungen über Schöpfung und Erlösung“ Mediatrix-Verlag, Band A S. 73-81 - Seite 6 bis 9 - Autor: Pater Karl E. Schmöger (verstorben 14.8.1883) - Imprimatur 27. März 1883 M. Dandl, Generalvikar

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Beitrag - Nehmet hin und esset - Kommunionpraxis auf Abwegen Kurat Kurt Palm

„In der Eucharistie ist Christus mit Fleisch und Blut, mit Leib und Seele, mit Menschheit und Gottheit, wahrhaft, wirklich und wesentlich gegenwärtig.“ So lautet das Dogma von Trient und „Auch unter jedem Teil einer jeden Gestalt ist nach geschehener Teilung der ganze Christus gegenwärtig.“

Das ist die unumstößliche, für allezeit gültige Lehre der katholischen Kirche. Papst Paul VI. hat dieses Dogma in seinem „Credo“ feierlich bekräftigt und daraus gefolgert: „Ist aber Christus wirklich gegenwärtig, so wie er im Himmel ist, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut, mit Menschheit und Gottheit, so kann man ihm auf keine Weise mehr Ehrfurcht erweisen, als wie es bisher in der Kirche geschah.“ (durch Mundkommunion mit Patene)

Trotz dieser unmißverständlichen Klarheit ist es tief bedauerlich, daß ausgerechnet dieser Papst und dazu auf Drängen einer kleinen Minderheit bald die Erlaubnis zur Handkommunion gab und so Streitigkeiten in die Kirche brachte - Spaltungen zwischen denen, die es heute noch nicht wagen, das Allerheiligste anzurühren und denen, die es ungeniert wie ein Stück Brot zu sich nehmen bzw. wie die Kinder nur wie ein Bonbon oder Keks in den Mund schieben.

Da muß man sich schon fragen: Ist auf einmal des Allerheiligste Altarsakrament zur Billig-Ware geworden? Ist die Heilige Hostie jetzt nur mehr symbolisches Brot, aber eben nur Brot, wie es zum Beispiel der Häretiker Zwingli lehrte, dessen Irrlehre selbst Luther energisch bekämpfte?

In der Praxis zeigt sich dann auch bald schon die verheerende Folge dieser Wertminderung des Allerheiligsten: Unterlassung der Kniebeuge vor dem Tabernakel, ja allmähliche Entfernung desselben aus seiner bevorzugten Stellung in der Mitte des Altares, Entfernung der Kommunionbänke und dadurch Zwang zu stehendem Empfang der heiligen Kommunion. Die schlimmste Entehrung aber erfuhr das Allerheiligste durch Einführung der Handkommunion. Soll uns diese Respektminderung gegenüber dem „höchsten Gut“, diesem „Edelstein unseres Glaubens“ (Kardinal Faulhaber) nicht zu denken geben? Gehen wir im Folgenden näher auf die Einwände der Handkommuniobefürworter ein:

Einwand: „Man kann auch mit der Hand genau so ehrfürchtig Jesus empfangen wie mit dem Mund. Die äußeren Zeichen sind nicht so wichtig; auf die innere Gesinnung kommt es an!

Antwort: Niemand wird bestreiten, daß man den Leib des Herrn auch bei der Mund-Kommunion unehrfürchtig empfangen kann und umgekehrt daß es also bei der heiligen  Kommunion mehr auf die innere Ehrfurcht des Herzens als auf die äußere Haltung ankommt. Aber eine ganz andere Frage ist die: Welche äußere Haltung ist für die Ehrfurcht förderlicher, vor allem bei solchen, die - wie die Kinder - leicht zur Oberflächlichkeit und Gedankenlosigkeit neigen?

Tatsache ist: für den Menschen als körperlich-geistiges Wesen sind äußere Zeichen (Händefalten, Niederknien, Nichtberührendürfen) und innere Ehrfurcht unzertrennliche Dinge. Innere Ehrfurcht ohne äußere Zeichen ist eine Utopie (das gilt auch schon auf rein weltlichem Gebiet, zum Beispiel bei Staatsempfängen!)

Zu den äußeren Zeichen der Ehrfurcht gehört eine gewisse Distanz. Vor allem in dem Nicht-anfassendürfen drückt sich der besondere Wert einer Gabe in eklatanter Weise aus. Doch das mit der Hand Erfaßte wird psychologisch allmählich zu einer gewöhnlichen Sache. Darum dürfen auch bei heidnischen Völkern besonders heiliggehaltene Dinge nicht mit der Hand berührt werden.

Das galt erst recht im Judentum. Im Alten Testament wurde Ussa mit dem Tode bestraft, weil er unberechtigterweiSe die Bundeslade angefaßt hatte. (2 Sam. 6, 6) Nur die Priester durften die heiligen Gefäße und die Bundeslade berühren. Der in der heiligen Hostie gegenwärtige Gott ist aber noch viel heiliger als die Bundeslade.

Darum hat die Kirche, um zur Ehrfurcht vor der heilige Eucharistie zu erziehen, zwei Erziehungsmittel angewandt: Das Nüchternheitsgebot und das Berührungsverbot. (Konzil von Trient)

Die Kirche kann solche Forderungen erheben; das steht für jeden Einsichtigen außer Zweifel. Umgekehrt ist es aber auch oberstes Gesetz der kirchlichen Maßnahmen zu fragen, ob bei einer Lockerung dieser disziplinarischen Bestimmungen die Ehrfurcht gegenüber der Eucharistie noch gesichert ist? Was die jetzige Reduzierung des Nüchternheitsgebotes auf nur eine Stunde betrifft. so ist das faktisch kein „Opfer‘ der Ehrfurcht mehr. (Kranke waren schon immer ausgenommen) Für Gesunde ist die Zeit der ‚Nüchternheit“ sehr kurz. Doch noch schlimmer wirkt sich die Erlaubnis der unnötigen Berührung der konsekrierten Hostie aus: Einen Gott, den man so leicht in die Hand nehmen kann (und vor dem man sich beim Empfang nicht mehr respektvoll niederkniet), ist bald kein Gott mehr, sondern wird allmählich nur mehr zu einem Stück Brot. Darum ist die banale Form des Handkommunion-Empfanges schon beginnender Unglaube. Der Glaube an die Realpräsenz Christi in der heiligen Hostie schwindet sichtlich, wie die Erfahrung bestätigt.

Zur äußeren Ehrfurcht gehört ferner das Vermeiden des Herunterlallens von Hostienteilchen. Dieser Gefahr wurde begegnet durch das Kommuniontuch und zuletzt durch die Kommunionpatene (die lt. c. 117) auch heute noch vorgeschrieben istl Warum hält man sich nicht daran? Bei der Handkommunion entfällt dieses Schutzmittel der Patene, und damit ist die Gefahr des ZuBoden-Fallens und Zertretens von Hostienpartikeln gegeben. Wer solche leicht mögliche äußere Verunehrung der heiligen Partikel in Kauf nimmt, schändet Christus sakrilegisch. Da entfällt auch die innere Ehrfurcht vor dem Sanctissimum! Dasselbe gilt auch, wenn ein Priester oder Laien-Kommunionspender respektlos im Straßengewand, ohne liturgische Kleidung, die heilige  Kommunion austeilt.

Einwand: Christus hat doch gesagt: „Nehmet und esset!“ Also darf man die heilige  Hostie in die Hand nehmen!

Antwort: „Nehmen“ kann man auch mit der Zunge, so wie man Medizin einnimmt -  und Jesus ist doch „die Arznei der Unsterblichkeit“! Im Ubrigen hat Jesus nicht gesagt: „ Nehmet“ Sondern: „Nehmet hin und essetl“ Nehmet hin ist so viel wie „Empfanget“ (Warum hat man das bisher immer gebräuchliche „hin‘ im Neuen Meßtext heimlich weggelassen?) Gerhard Kittel weist im Theologischen Wörterbuch zum Neuen Testament, Band IV Seite 5 nach, daß das „Nehmen“, „Hinnehmen“ (griechisch Iambanein) die Bedeutung von „Empfangen“ hat, aber nicht die Bedeutung des in die Handmehmen. Eine entsprchende Parallelstelle findet sich - nach Kittel - bei Jo. 20, 22 wo ebenfalls dasselbe Wort lambanein gebraucht wird und zwar in Bezug auf den Heiligen  Geist, nämlich: „Empfanget den Heiligen Geist!‘ (Siehe Schrift: „Das Unheil der Handkommunion“ v. P. Michael, 5. 22. Preis nur 1 DM; zu beziehen bei F. Häring, Postfach 2152, 8000 München 66)

Schon der heilige Hieronymus, der noch in der lebendigen Lehrtradition der Urkirche stand und den Sinn der Herrenworte genau kannte, hat das Wort: „Nehmet hin“ in Verbindung mit Speise die Bedeutung von „in sich aufnehmen,“ „empfangen“ gegeben. Von einem „In-die-Hand-Nehmen“ ist im Neuen Testament nichts, aber auch qar nichts zu finden. (Erst recht nichts von einem stehend „Indie-Hand-Nehmen!“ Es gibt auch kein Dekret des Heiligen Stuhles oder eines Bischofs, daß man die heilige  Kommunion stehend nehmen müsse!)

Einwand: Für Priester und Gläubige ist die Handkommunion bequemer, angenehmer, auch hygienischer und ästhetischer und darum - für die mündigen Erwachsenen - angepaßter.

Antwort: Es kommt nicht darauf an, was uns Menschen lieber ist, sondern was vor Gott würdiger ist. Abgesehen davon ist jeder Priester aus genannten Gründen stets darauf bedacht, dem Kommunizierenden behutsam die heilige Hostie auf die Zunge zulegen, ohne sie zu berühren. Die Mundkommunion ist auch nicht unästhetisch. Im Gegenteil! Es ist immer ein ergreifender Anblick, wenn dem Knienden feierlich die heilige Hostie auf die Zunge gelegt wird. Man kann aber auf die „Mündigkeit“ der Erwachsenen nicht hinweisen, wenn - (ohne kirchlichen Auftrag!) - vielfach schon bei Kindern die Handkommunion eingeführt wird, die also noch gar nicht „mündig‘ sind. Abgesehenvonallem: Mit den Fingern ißt man nicht! - Durch Handkommunion bei Kindern kommt die Mundkommunion langsam auch zum Aussterben! Und was tat Jesus? Gab der Herr seinen Leib den Jüngern in die Hand? Wenn man den Bericht vom Letzten Abendmahl bei Johannes genau liest, so geht daraus hervor, daß Christus den Bissen elntauchte und dem Judas in den Mund reichte. (Joh. 13, 26) Wer wird schon einen eingetauchten Bissen anderen in die Hand geben?

Einwand: Die Hand ist genau so „rein“ wie der Mund!

Antwort: (Bei Kindern nicht immer!) Aber es handelt sich ja gar nicht darum; denn die Voraussetzung der „Reinheit“ liegt im Inneren der Seele (in der Freiheit von Sünden und in der rechten Absicht), nicht in der äußeren Handhabung. Es geht vielmehr um die bereits oben erwähnte Tatsache, daß bei der Handkommunion keine Patene benützt werden kann und deshalb leicht abbröselnde Teilchen der heiligen Hostie zu Boden fallen können, zumal wenn manche Gläubige hastig und oft salopp die Hostie zum Mund führen und nicht auf die Handfläche achten, ob Partikel zurückbleiben. So wird die „Handkommunion“ leicht zur ‚Fußkommunion.“ Ist aber das noch mit Ehrfurcht zu vereinbaren?! Auf diese Gefahr weist schon im Frühchristentun Cyrill von Jerusalem (gestorben 386) hin: „Gib acht, daß dir vom heiligen Leib nichts entgleitel Wenn dir jemand Goldstäubchen gäbe, hieltest du sie nicht behutsam, daß dir kein Stäubchen verloren gehe? Um wieviel mehr mußt du auf der Hut sein, da das kleinste Stäubchen des Leibes Christi an Wert Gold und Edelstein. unvergleichlich überragt!“

Es ist also fehl am Platze, den Gläubigen zu raten: Empfangen Sie die heilige  Kommunion in der Weise, wie Sie es mit der größten Andacht glauben tun zu können! Nein! Der Mensch muß darauf achten, wie er am sichersten eine Verunehrung der Hostienparlikel vermeidet, und das ist nur durch die Mundkommunion mit der Patene möglich.

Einwand: Aber der Papst hat die Handkommunion erlaubt; dann ist doch die Sache erledigt!

Antwort: Nein! Das mit der „Erlaubnis“ des Papstes ist nur halb richtig. Der Papst hat zwar die Handkommunion erlaubt, aber nicht geboten.

Und was heißt erlaubt? Jetzt müßte man Fachautoritäten fragen, ob der Sinn dieser Erlaubnis war, daß die Handkommunion gleichberechtigt neben der Mundkommunion stehen soll oder ob sie gerade - eben auf Drängen hin - nur konzediert, aber nicht erwünscht ist?! Letzteres ist der Fall! Das zeigt folgende Tatsache:

Wie aus dem offiziellen Mitteilungsblatt des Apostolischen Stuhles (A.A.S.) vom 8. August 1969, Seite 543, hervorgeht, hat der Heiliger  Vater nach einer Rundfrage an alle Bischöfe des katholischen Erdkreises verfügt: „Die bisherige Form der Kommunionspendung muß beibehalten werden. Nicht nur, weil sie sich auf den Brauch vieler Jahrhunderte stützt, sondern vorallem deswegen, weil sie Zeichen der Ehrfurcht der Gläubigen gegenüber der Heiligen  Eucharistie und der Würde der menschlichen Person, die sich einem so erhabenen Sakrament möglichst fruchtbringend nahen soll, in keiner Weise abträglich ist.“ „Deshalb mahnt der Apostolische Stuhl Bischöfe, Priester und Gläubige eindringlich, der erprobten und hiermit neu bestätigten Vorschrift beflissen Folge zu leisten.‘ (a.a.O. S.546)

Der Papst hat also die Handkommunion nicht gewünscht, sondern sie nur ungern erlaubt und - - was viel zu wenig betont wird - nur unter gewissen Bedingungen:

Diese lauten: „Jeder Anlaß zur Bestürzung seitens der Gläubigen und alle Gefahr der Ehrfurchtslosigkeit gegen die heilige Eucharistie muß vermieden werden. Niemand soll einen Grund zur Beunruhigung finden für sein geistliches Empfinden gegen die heilige  Eucharistie, damit dieses Sakrament, das von Natur aus Quelle und Urgrund der Einheit ist, nicht Anlaß zur Verstimmung unter den Gläubigen wird. Jeglicher Anschein eines Abweichens im Bewußtsein der Kirche vom Glauben an die eucharistische Gegenwart, auch jegliche Gefahr der Verunehrung, ja selbst schon der Verdacht einer solchen, soll ausgeschlossen werden. Und immer ist darauf zu achten, daß nicht Teilchen des eucharistischen Brotes fallen gelassen und verstreut werden.‘

Auch die Deutsche Bischofskonferenz in ihren Richtlinien von 1971 erinnert an diese Mahnung (Amtsblatt für das Erzbistum München-Freising. 1971, S 181) In diesem Schreiben ist bemerkenswert auch folgende Stelle: „Die unmittelbare Verantwortung trifft den Priester, der die heilige Kommunion spendet. Verschiedene Bestimmungen des Kirchenrechts sind Beweise der großen Verantwortung, die den Priester hinsichtlich des Allerheiligsten Altarsakramentes trifft. Die Last dieser Verantwortung kann dem Priester niemand, auch nicht der Bischof, noch weniger der Pfarrgemeinderat oder der einzelne Kommunikant abnehmen.“ „Wenn also ein Priester die Spendung der heiligen Hostie auf die Hand nicht verantworten kann, ist diese seine Einstellung zu respektieren.“ (P. Fridoiin Außersdorfer OFM „Handkommunion - Fortschritt oder Rückschritt? Seite 11) Vgl. auch Brief von Bischof Dr. Rudolf Graber, Regensburg, vom 11. Februar 1970: „Wenn ein Priester überzeugt ist, daß durch die Handkommunion die Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten verletzt wird, darf er die heilige Hostie nicht auf die Hand geben.“

Daß der Papst, aber auch die Mehrheit der Bischöfe die Handkommunion von Anfang an ablehnten, beweist eine Befragung Ende 1968/Anfang 1969:

Damals wandte sich der Papst an sämtliche Bischöfe der lateinischen Kirche (leider nicht auch an die der orthodoxen Kirche, die von Anfang an gegen die Handkommunion waren!) Diese Bischöfe der lateinischen Weitkirche mußten laut Bericht bis zum 12. März 1969 die Frage beantworten, ob sie neben der bisherigen Spendeform der heiligen Kommunion auch die Spendung in die Hand erlaubt haben möchten? Das Ergebnis war folgendes:

für die Handkommunion waren nur 567 Bschöfe
dagegen waren 1233 (mit Vorbehalt 315, ungültig 20)

Die Mehrheit der Bischöfe (inclusiv Papst) war also gegen die Einführung der Handkommu-nion.
Auf weiteres Drängen der fanatischen Handkommunionbefürworter erfolgte dann eine Anweisung an die Bischofskonferenzen der Länder, darüber noch einmal zu beraten. Das Ergebnis der Länder (nachzulesen in Acta Ap. Sedis 51. 1969, S. 541) war:

Für Einführung der Handkommunion entschied sich die Mehrheit der Bischöfe in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Schweiz, Bundesrepublik Deutschland.

Gegen die Handkommunion votierten die Bischöfe in Italien, Spanien, Polen, die Oststaaten, ferner USA, Kanada, Lateinamerika, Australien und die Philippinen. (bemerkenswert ist, daß die Bischofskonferenz der Philippinen den Mut hatte, die Handkommunion bald wieder rückgängig zu machen)

Bei diesen wichtigsten Ländern der Welt ist demnach der wahre Sachverhalt folgender: Der Papst und die Mehrheit der Bischof skonferenzen der Welt hatten ebenfalls gegen die Handkommunion gestimmt. Diese Mehrheit gilt auch heute noch! Warum beließ man es nicht beim Verbot der Handkommunion?

Einwand: Die Handkommunion war schon im Urchristentum gebräuchlich

Antwort: Es ist merkwürdig: Im Kampf gegen die „Traditionalisten“ (Konservativen) verwirft man immer von Seiten der Progressisten („Fortschrittlichen“) das „Alte“ als „veraltet“; hier aber ist auf einmal das Frühere nicht mehr „veraltet“, sondern sogar wieder „modern“! Doch, wenn man schon auf die frühchristliche Praxis verweist, dann muß man wissen: Im Urchristentum empfingen die Gläubigen die heilige  Kommunion nicht auf die blanke Hand; bei den Frauen mußten die Hände mit einem Linnen verhüllt sein (das ist wenigstens im 4. Jahrhundert bezeugt. Vgl. Augustinus Sermo 252. Das Provinzialkonzil von Auxerre (um 585) schärfte dieses Gebot ein: „Es ist keiner Frau erlaubt, mit bloßer Hand die Eucharistie zu empfangen.“

Im Gegensatz zu den Frauen benützten die Männer das allgemeine Kommuniontuch (das bis zum 2. Vatikanischen Konzil noch an Kommunionbänken üblich war!)

„Mit wachsendem Verständnis des vollen Inhalts der Eucharistie wurde jedoch diese Weise der Handkommunionspendung als unzureichend empfunden. Man ging immer mehr dazu über, den Leib des Herrn unmittelbar in den Mund zu legen.“ So der Mainzer Kirchenrechtler Dr. Georg May in der Schrift: ‚.Die sogenannte Handkommunion“, ein Beitrag zur Praxis der kirchlichen Rechtsetzung in der Gegenwart“ Lumen Gentium-Stiftung. (Vaduz/Liechten-stein)

In der Gesamtkirche wurde die Handkommunion bereits im 5/6. Jahrhundert abgeschafft. (Nur in Gallien blieb sie noch bis ins 8. und 9. Jahrhundert) Also über tausend Jahre war dann die Mundkommunion gebräuchlich!

Im übrigen ist in Bezug auf die Übung der  Handkommunion im Urchristentum zu bedenken: Alles war damals erst in der Entwicklung! Ferner herrschten auch durch die Verfolgung besondere Notstände. Vor allem aber führten gerade die sich häufenden Profanlerungen und Sakrileglen als Folge der Handkommunion zur Einführung der Mundkommunion! Wollen das die Einpeitscher dieser Neuerung gar nicht sehen?

Der Liturgieprofessor Monsignore Dr. Klaus Gamber. Regensburg, schreibt in Bezug auf die Abschaffung der Handkommunion: „Der wahre Grund dürfte darin zu suchen sein, daß man keine guten Erfahrungen mit der Handkommunion der Laien machte. Vor allem seit dem 5. Jahrhundert, als die Gemeinden schnell anwuchsen und noch mehr später, als dann praktisch alle Einwohner, gute und böse,.der Kirche angehört haben. Es werden dieselben Erfahrungen sein, die man auch heute wieder macht und in steigendem Maß machen wird: vom Mangel an Ehrfurcht beim Empfang bis hin zum direkten Mißbrauch der heiligen Eucharistie zu abergläubischen, ja satanischen Zwecken. (Satansmesse!)

Harmlos hört sich da noch ein Vorkommnis an, das in diesen Tagen erst passiert ist: ein achtjähriges Mädchen hat die heilige Eucharistie mit nach Hause genommen, damit der liebste Spielgefährte, ein kleiner Hund, auch einmal kommunizieren könne.‘ (Dr. Gamber in der Schrift: „Ritus Modernus“, Kommissionsverlag Fr. Puslet, Regensburg 1972) Dr. Garnber weiter: „Nachdem die Gesamtkirche im Frühmittelalter von der Praxis der Handkommunion abgekommen ist, kann man heute einen solchen Schritt nicht ohne schwerwiegende Gründe wieder rückgängig machen. Schon gar nicht im Hinblick auf die Ostkirche, die nicht daran denkt, ihre Kommunionpraxis zu ändern. Was im Augenblick für die Beibehaltung der Mund-kommunion spricht, ist weit wichtiger als das, was für die Wiedereinführung der Handkommunion angeführt werden kann.‘

Wohlgemerkt: Wie die Orthodoxen, so ble-ben auch die Lutheraner bei der bisherigen Praxis der knlenden Mundkommunlon (nur die Reformierten kennen die Handkommunion; aber das ist kein Zufall, sondern ergibt sich aus deren Eucharistielehre, die keine leibhaftige Gegenwart des Herrn im Abendmahl kennt). Luther hat sogar die Handkommunion scharf verurteilt und als „Ausdruck des Unglaubens(!“) abgelehnt. Wir sehen: Die Handkommunion ist demnach auch der Ökumene (Wiedervereinigung der getrennten Christen) sehr abträglich.

Damit kommen wir zu einer weiteren Anklage: Mußte durch die Einführung der Handkommunion die Einheit der Gläubigen zerrissen werden? Denn durch die Möglichkeit der Handkommunion ist erst recht viel Verwirrung in jede katholische Gemeinde, ja in jede Familie getragen worden. Es ist unmöglich, daß ein Pfarrer die Handkommunion untersagt, während der Nachbarspfarrer sie gestattet; das gilt auch von den Bischöfen. Erst recht zersetzend wirkt die Neuerung für die Gläubigen, die noch an der alten, ehrwürdigen Form hängen. Traurige Beispiele beweisen, daß solche von progressistischen Priestern als „rückständig‘ diffamiert, ja oft übergangen werden! Dadurch wird die heilige Eucharistie, der Quell und Urgrund der Ein-heit, zum Anlaß für Verstimmung unter Priestern und Gläubigen und oft genug zum Auszug dieser Verfemten aus der „unduldsamen“ Kirche!

Einwand:
Das Volk will die Handkommunion

Antwort: Das Volk wurde gar nicht gefragt, auch nicht die Priester. (Nur die Bischöfe) Warum ist diese Befragung unterblieben? Hören wir dazu Monsignore Professor Rudolf Peil, Qdenthal: „Es gibt nur eine Antwort: weil die Befürworter der Handkommunion mit Sicherheit das ablehnende Resultat vorauwußten. Wo die Handkomrnunion geübt wurde, waren es höchstens kleine Konventikel und dort auch zumeist auf Drängen progressistischor Geistlicher, nicht in erster Linie der Laien. Diese im „vorauseilenden Ungehorsam“ erzwungene Me-thode ist nicht Geist vom Heiligen Geist und hat die Verwirrung in der Kirche erst vollständig gemacht!“ Was wundert es, wenn die Handkommunion sich dadurch wie ein Steppenbrand in die Rehen des Volkes weitertrißt und sich wie eine Epidemie auch langsam in solche Länder ausbreitet, wo die Handkommunion noch verboten ist, weil die Touristen die dort üblichen Kommunionform nicht respektieren?

Einwand: ‚Warum so überängstiich?“

Antwort: Hier liegt nicht Überängstlichkeit vor, sondern Gewissenhaftigkeit, nicht konservative „Sturheit“, sondern ehrfürchtige Selbstverständlichkeit.

Zu dieser Gewissenhaftigkeit mahnt schon, wie oben erwähnt, Cyrill von Jerusalem. Ich zitiere ferner Tertullian von Karthago. (160-220) Er schreibt: „Das Sakrament der Eucharistie empfangen wir in den frühmorgendlichen Versammlungen und zwar aus der Hand der Vorsteher. Daß dabei nichts vom Kelch und nichts vom heiligen Brot zu Boden falle, darauf sind wir mit aller ängstlichen Sorgfalt bedacht. Hören wir noch aus der vornizänischen Zeit den großen Theologen Origenes (185-250): „Wenn ihr den Leib des Herrn empfanget, seid mit aller Vorsicht und Ehrfurcht darauf bedacht, daß nicht das geringste davon zu Boden falle, daß von der konsekrierten Gabe nichts zerstreut werde. Ihr glaubt - und das mit Recht - euch zu versündigen, wenn aus Nachlässigkeit etwas zu Boden fällt.“

Zu dieser schon im Urchristentum geforderten Gewissenhaftigkeit mahnte die Kirche immer, bis zum heutigen Tag. Diese Vorsicht ist also nichts Neues.

Auch in den Richtlinien der Bischöfe der Gegenwart (vgl. Amtsblatt 1971 für die Erzdiözese München-Freising) heißt es: „Da vielfach sogenannte Brothostien gebraucht werden, erinnern wir Bischöfe ebenfalls an die Sorge, daß bei der Darreichung der heiligen Kommunion. In den Mund keine Teilchen der Hostien zu Boden fallen ... Besondere Sorgfalt ist bei der Darreichung der heiligen Kommunion in die Hand notwendig. Beim Erstkommunionunterricht und immer wieder bei gegebenem Anlaß soll darauf hingewiesen werden, daß die Ehrfurcht dem Sakrament gegenüber verlangt, daß der Kommunikant auch kleine Teilchen der Hostie, die auf der Hand liegen, zum Munde führe.“ (Aber niemand achtet darauf! Und wie sollte man diese Partikel zu sich nehmen? Etwa durch Abschlecken der Hand? Wäre das noch würdig?)

Papst Johannes Paul II hat erneut im „Gründonnerstagbrief an die Brüder im Bischofsamt“ 1980 von einem „bedauerlichen Mangel an Ehrfurcht vor den eucharistischen Gestalten gesprochen und betont: „Die heiligen Gestalten zu berühren und sie mit den eigenen Händen auszuteilen, ist ein Vorrecht der Geweihten“ und „bei Austsilung durch Laien muß eine echte Notlage vorliegen!“ Diese ist aber nicht gegeben, wenn ein Priester zugegen ist, der manchmal sogar auf der Sedilia sitzt und zuschaut, wie Laien austeilen! Für einen Empfang der Kommunion auf die Hand besteht überhaupt nie ein „Notfall!“

Zum Schluß erwähne ich noch den Liturgieprofessor Dr. Otto Nußbaum, Bonn. In einer Studie: „Die Handkommunion“ (Bachem, Köln 1969, S. 43) gibt auch dieser Fachmann zu: „Es kann nicht bestritten werden, daß die Gefahr einer Verunehrung bei der Handkommunion größer ist als bei der seit dem 6. Jahrhundert geltenden Spendungspraxis (d. h. der Mundkommunion).

Wenn angesichts dieser Gefahr der Verunehrung von Hostienpartikeln noch immer Progre-ssisten die Handkommunion verteidigen, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man achtet nicht auf diese Teilchen, läßt sie zu Boden fallen und zertrampelt sie respektlos - oder -  und damit komme ich zum gefährlichsten Punkt:

Man leugnet die Gegenwart Christi in den kleinsten Partikeln!

Auch das ist bereits geschehen! Siehe „Stimme des Glaubens‘ 10. November 1977, Heft 22! Darauf ist aber ernstlich zu fragen: Wird dadurch nicht die kirchliche Lehre von der „Gegenwart Christi in der Hostie in jedem Teil derselben‘ verwässert, ja aufgehoben? Denn von weicher Größe der Partikel an soll der Leib Christi nicht mehr real präsent sein? Bei welcher Winzigkeit der Teilchen hört die Gegenwart des Herrn auf, wo fängt sie an? Soll überhaupt die Realpräsenz Christi vom subjektiven Urteil einzelner Priester oder Gläubiger abhängen?? Nein!!

Vor solcher willkürlichen schrittweisen Auflösung der Realpräsenz Christi inder heiligen Hostie warnte sogar das evangelische!) Pfarrblatt vom 25. August1971. („Rundbrief für Christen Augsburgischen Bekenntnisses“ 22. Jahrgang, Nr. 38)

Zusammenfassung: Im brennenden Dornbusch sprach Gott zu Moses (Ex. 3, 5): „Komm nicht näher heran und lege deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden!“ Wenn schon der Ort heilig ist, wo Gott erscheint, um wieviel heiliger ist Gott selbst im Feuer des brennenden Dornbusches! Auf unsere Lage angewandt: Wenn schon das Gotteshaus (Tabernakel) heilig ist, weil dort Gott in unserer Mitte zugegen ist, um wieviel heiliger ist erst die heilige Hostie, die Christus, Gott, selbst ist? Deshalb hat die katholische Kirche in ihrer Liturgie das „Allerheiligste“ stets mit der bestmöglIchen Ehrfurcht behandelt. Das gilt vor allem beim Empfang des Leibes Christi (des Sohnes Gottes selbst!) im Sakrament des Altares.

Christus hat gewiß bei der Einsetzung der heiligen Eucharistie in Kauf genommen, daß es beim Kommunion-Empfang eine Grenze der nicht mehr menschen-möglichen Sorgfalt gibt. Darf man aber das Recht ableiten, auch auf die leicht mögliche Sorgfalt zu verzichten?

Es ist darum falsch, wenn den Gläubigen die Wahl gegeben wird: Mundkommunion oder Handkommunion - beides ist möglich, beides ist gleich würdig. Jeder kommunizirende, wie es ihm am besten gefällt! Nein! Nicht die für Menschen bequemste und liebste Art, sondern die für Gott ehrfürchtigste Art! Und diese ist und bleibt der (kniende) Empfang mit dem Mund und der Patene (zur Verhütung von sakrilegischer Schändung abfallender Partikel). Die Erfahrung zeigt, daß auf dem Kommunionteller immer wieder Teilchen von heiligen Hostien liegen. Soll man diese - unbeachtet oder gar leichtfertig - bei der Handkommunion zu Boden fallen und zertreten lassen?

Es kommt Satan nichts gelegener, Christus gerade dort am empfindlichsten zu treffen, wo Er persönlich zugegen ist, in der heiligen Hostie. Übersehen wir nicht, wo die Handkommunion ausging: Vom einst so blühenden Missionsland Holland, das nach dem 2. Vatikanischen Konzil bis an den Rand des tiefsten Abfalls stürzte! Dort wurde von abgefallenen Priestern eine völlig unkatholische Auflassung der heiligen Eucharistie vertreten, nämlich im Sinne Zwinglis, der nur eine symbolische Gegenwart Christi lehrte; bei dieser ist freilich keine besondere Ehrfurchtsbezeugung nötig, weil die Hostie Brot ist und bleibt.

Wer trotz aller erwähnten Gefahren die banale Handkommunion weiterhin befürwortet oder zuläßt, der untergräbt die katholische Auffassung von der wirklichen Gegenwart Christi im heiligsten Altarsakrament - das wäre aber „das Stalingrad der katholischen Kirche, eine gigantische Fehlplanung und lurchtbare Katastrophe!“ (Dr. Georg May, Una Voce-Korrespondenz Heft 1 Jan./Febr. 1980)

- Beitrag: „Nehmet hin und esset“ - Kommunionempfang auf Abwegen - Autor Kurat Kurt Palm (verstorben 1983) Quelle: Zeitschrift „Vox Fidei - Stimme des Glaubens“ - Ravensburg (Firma erloschen) Nr. 20/80 vom 19. Oktober 1980 - Seite 4 bis 6 und Seite 11 bis 15





 
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