Rundbrief Nr. 26 - Herz-Jesu-Familie

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           Rundbrief Nr. 26 vom 25. Mai 2010 Die heilige Veronica Guiliani

Die heilige Veronica Giuliani. Geboren am 27. Dezember 1660 in Mercatello sul Metauro. Gestorben am 9. Juli 1727 in Citta di Castello. – Veronica  Giuliani. Kapuzinerin. Äbtissin. Stigmatisiert. 1839 heiliggesprochen. Wird dargestellt mit Dornenkrone. Das Herz vom Jesuskind verwundet. Fest: 9. Juli.

Eine große Passionsmystikerin des Ordens der Klarissen-Kapuzinerinnen ist diese Heilige, die am 27. Dezember 1660 zu Merccatello sul Metauro, südwestlich von Rimini in Mittelitalien, als siebtes Kind des Finanzbeamten Francesco Giuliano geboren und tags darauf auf den Namen Ursula getauft wurde. Von den sieben Mädchen dieser angesehenen Familie starben zwei als Kinder, drei wurden Klarissen, und das jüngste, Ursula, trat bei den Klarissen-Kapuzinerinnen in Citta di Castello ein.

Als Ursula vier Jahre alt war, starb die Mutter Teresa Mancini. Sie rief am Sterbebett ihre fünf noch lebenden Töchter zu sich und empfahl eine jede in eine der fünf Wunden Jesu, die kleine Ursula aber legte sie geistigerweise in die geöffnete Seitenwunde des Herrn, was für die spätere Heilige ungemein vielsagend ist, denn diese fühlte sich ihr ganzes spätere Leben lang auf’s innigste mit dem leidenden Heiland und seinem durchbohrten Herzen verbunden und durfte selbst nicht bloß die Wundmale des Herrn an ihrem Leib tragen, sondern in mystischer Weise auch die Durchbohrung des eigenen Herzens erleiden.

Schon in ihrer Kindheit bemerkte man an ihr ungewöhnliche Frömmigkeit und Anzeichen mystischer Begnadung. Mit sieben Jahren hatte sie eine Erscheinung des Heilands, der sie zum fleißigsten Betrachten seines Leidens aufforderte. Ursula fühlte sich von da an ganz stark zum leidenden Herrn hingezogen; das Mädchen legte sich,  um das Leiden Jesu mit zu empfinden, Bußwerke aller Art auf. Am Lichtmeßtag 1670 schlug für die Zehnjährige die Gnadenstunde der Erstkommunion; sie fühlte sich dabei von einer solchen inneren Glut durchdrungen, daß sie auf dem Heimweg einfältig fragte, wie lange wohl diese innere Hitze andaure. Als man sich über diese Frage wunderte, merkte sie erst, daß sie einer besonderen Gnade gewürdigt wurde; sie hatte gemeint, es müßte jeder Mensch nach der heiligen Kommunion solche Glut verspüren. Sie trachtete von da an, so oft als nur möglich zur heiligen Kommunion zu gehen. Immer verspürte sie dabei ganz lebhaft die Gegenwart Christi in ihrem Herzen.

Mehr und mehr reifte in Ursula der Wunsch, die Welt zu verlassen und in einen Orden einzutreten. Ihr Gebet endete fast immer mit der klaren Erkenntnis: Der Heiland hat mich zu seiner Braut berufen. Als ihre älteren Schwestern bei den Klarissen in Mercatello eintraten, vergoß Ursula bittere Tränen, aber nicht wegen der Trennung, sondern wegen der Angst, sie müsse nun die ganze Sorge für den Haushalt übernehmen und dürfe den Vater nicht im Stich lassen. Der Vater war es auch, der sich gegen den Ordenseintritt seiner Tochter lange und heftig wehrte. Als er endlich nachgab, trat Ursula bei den als sehr streng geltenden Kapuzinerinnen in Citta di Castello ein. Am 28. Oktober 1677 wurde sie eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Veronica. Am Allerheiligenfest 1678 durfte sie die Ordensprofeß ablegen. Sie lebte von da an in großer Bußstrenge und Leidensbereitschaft und durfte Christus durch viele äußere und innere Leiden immer ähnlicher werden. Bei aller mystischen Begnadung durch Ek-stasen und Visionen bewährte sie sich aber immer in ganz großer Demut und in vorbehaltlosem Gehorsam gegenüber ihren Seelenführern. Die vielen mystischen Gnaden hinderten sie nicht, alle ihr im Kloster anvertrauten Ämter, sie war 33 Jahre lang Novizenmeisterin und 11 Jahre Äbtissin, genau und gewissenhaft zu erfüllen.

Ihr außerordentliches geistliches Leben mit den vielen Ekstasen und Visionen beschrieb sie im Auftrag ihrer Seelenführer zuerst in fünf genauen autobiographischen Berichten und von 1693 an Tag für Tag in ihrem Tagebuch, das der Diener Gottes Annibale Maria di Francia, er starb 1927, mit vollem Recht einen „Tosoro nascosto“, einen verborgenen Schatz, genannt hat. Es seien nur die wichtigsten darin geschilderten Ereignisse herausgegriffen: Am 1. Januar 1694 zeigte ihr der Herr, daß sie sich durch Leiden auf die geheimnisvolle Vermählung mit ihm vorzubereiten habe. Am 27. März des gleichen Jahres geriet Veronica Giuliani in Ekstase und schaute den Herrn mit zahllosen Wunden bedeckt, die einen merkwürdigen Glanz verbreiteten, in seiner Seitenwunde strahlte ein wunderbarer Edelstein, der nach der Deutung des Herrn ihre eigenen Leiden, die sie so bereitwillig auf sich genommen hatte, versinnbildete. Bei diesem Anblick bat Veronica in großem Verlangen: „Mein Gott, nimm mich als Dein Schlachtopfer an. Ich will mit Dir gekreuzigt sein. Laß mich an all Deinen Schmerzen teil-nehmen, die Du für mich gelitten hast, doch auch darin will ich nur Deinen Willen und Dein Wohlgefallen.“ Am Palmsonntag, dem 4. April 1694, zeigte sich ihr der Herr mit einer großen Dornenkrone auf dem Haupt; sogleich bat Veronica Jesus, er möge ihr die Dornen schenken, denn sie hätte solche verdient. Der Heiland erfüllte ihr den Wunsch und setzte ihr die Dornenkrone auf’s Haupt. Den furchtbaren Kopfschmerz, woran Veronica von da an zu leiden hatte, fügte sie in strenger, harter Buße noch zahlreiche freigewählte Opfer hinzu.

Bei der heiligen Kommunion am Ostersonntag 1694 erlebte Veronica dann die mystische Vermählung mit dem Herrn. Sie bekannte: „Wenn ich alle Freudenfeste der Welt zusammennähme, so wäre dies wenig im Vergleich zu dem, was mein Herz in jenen Augenblicken erlebte.“ In den ersten Tagen des Monats Dezember 1696 offenbarte der Herr der heiligen Veronica, wie sehr ihm der große Undank der Menschen mißfalle. Sie sah ihn zu Tode betrübt, mit Striemen an seinem Leib, die Dornenkrone auf dem Haupt und mit einem schweren Kreuz beladen. Zu dieser und anderen ähnlichen Visionen, die der Heiligen gewährt wurden, meint L. die Fonzoin seiner Abhandlung über die Herz-Jesu-Verehrung in den franziskanischen Orden, Veronica Giuliani sei, wie der Name Veronica, „vera ikon“, sagt, ein wahres Abbild des Gekreuzigten geworden. Auch ihr klagte der Heiland über die große Undankbarkeit der Menschen gegen ihn. Darum lud der Herr sie ein, an seinem Leiden teilzunehmen, und er zeigte ihr den glühenden Feuerofen der Liebe, der sein Herz sei. Die Heilige aber weihte sich ganz ausdrücklich dem göttlichen Herzen Jesu. Als Lohn dafür empfing sie am Neujahrstag 1697 die Seitenwunde des Herrn. Am Karfreitag des gleichen Jahres wurden ihr auch dann die Wundmale an den Händen und Füßen eingeprägt. Im folgenden Jahr wurde Veronica für ihre Treue dem göttlichen Schmerzensmann gegenüber und für ihre Leidensbereitschaft belohnt, indem der Herr in einer Vision ihr Herz nahm und es in dem seinen verbarg, um ihr zu zeigen, wie sehr er sich in Liebe mit ihr eins fühle.   

Wegen ihrer Stigmatisation hatte die heilige Veronica Giuliani auf kirchlichen Befehl schwere Prüfungen zu bestehen, wobei sich schließlich einwandfrei die Echtheit ihrer Stigmata und ihrer Visionen herausstellte. Sie stand zuletzt ganz groß da ob ihrer Demut und Bereitschaft zu völliger Gleichförmigkeit mit dem gekreuzigten Herrn. Ihm wollte sie ein Herz und eine Seele sein. Sie wurde mit dem Herrn schließlich auch in der Herrlichkeit eins, als sie am 9. Juli 1727 im Alter von 67 Jahren und im 50. Jahr ihres Ordenslebens starb. 1804 wurde sie selig- und 1839 heiliggesprochen.


 
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